Trixi in Vietnam

Tuesday, October 14, 2008

14. Oktober 2008
Heute Abend war ich, zusammen mit anderen Kollegen aus der Firma, bei unserer Mitarbeiterin Nhung zur Hochzeitsfeier eingeladen.
Hochzeiten laufen hier in Vietnam ganz anders ab als das, was wir bezüglich dieser Feierlichkeiten in Deutschland gewohnt sind. Da gibt es kein traditionelles und stundenlanges Zusammensitzen mit Familie & guten Freunden (im kleinen oder grösseren Kreis) wo getanzt wird, Unterhaltungsspiele mit dem Paar gemacht und eine Hochzeitszeitung vorgelesen wird; und das Ganze gern mal bis in die späten Abend- bzw. frühen Morgenstunden reicht.

In Vietnam wird etwas anders gehochzeitet: die Gäste kommen im Restaurant an, entweder in der Gruppe oder die (gefühlten) Hundertschaften sind schon da. Dann überreicht man das Geschenk (wobei es sich fast ausschliesslich um Geldpräsente handelt) entweder an den Bräutigam oder die Braut, abhängig davon, von wem man eingeladen ist. Anschliessend gibt es für die Massen an Menschen massenhaft Essen. Und nach ca. einer Stunde ist dann alles vorbei. Man bedankt und verabschiedet sich und geht. Zuerst kam mir das ein bisschen seltsam vor, aber hey: andere Länder, andere Sitten und Gebräuche.

Bei der Veranstaltung heute Abend kam dann noch ein Schmankerl für mich dazu. Ihr wollte mit anderen Kolleginnen direkt vom Büro aus nach der Arbeit zum Hochzeitsessen fahren. Die Einladung mit der konkreten Adresse hatte ich schon, aber da ich mich ja auch nach mehr als 2 Jahren in Hanoi weniger nach Strassennamen und vorwiegend nach Orientierungspunkten richte (a lá: in der Nähe der Hauptpost, gegenüber vom Restaurant XY) musste ich gleich mal zugeben, das ich mich im Stadtteil Dong Da (südlich vom Hai Ba Trung District) kaum auskenne. Meine Kollegen waren also vorgewarnt, mich im Schlepptau zu halten und bei der Hinfahrt immer schön nach mir & meinem Moped Ausschau zu halten.

Aber mit unserer Abfahrzeit an der Klinik um kurz vor 6 pm kamen wir natürlich auch gleich in den schönsten Feierabendverkehr hinein. Zuerst ging aber alles gut: ich blieb meinen Wegweisern auf den Fersen, aber beim Siemens-Tower mit mehreren Baustellen und grossen Kreuzungen, wo ich dann wohl mal links, rechts, geradeaus oder auch rückwärts fahren hätte müssen. Da war dann niemand mehr zu sehen und ich bog einfach irgendwo ab, stellte das Moped aus und wartete, dass jemand per Telefon nach mir suchte. Dem war dann auch so und natürlich war ich falsch (hatte ich auch nicht anders erwartet, aber ohne Richtungsangaben ist das auch kein Kunststück). Ich fuhr dann zurück zu einem mir bekannten Treffpunkt und als dann meine Mädels aus der Abteilung ebenfalls ankamen, konnte ich sehen, das sie ebenso aus einer falschen Richtung kamen, sich also genauso verfahren hatten. Nur sieht das bei denen dann eleganter aus – da wird mitten auf der Strasse gewendet und in die andere Richtung gefahren, während ich als Ausländerin einfach nur verwirrt und hilflos in der Gegend rumschaue.

Logischerweise hatte ich nun erwartet, dass wir nach diesem Falsch-Fahren & Sich-Verlieren geschlossen in der Gruppe nach dem Endziel Ausschau halten würden (merke, ich hatte noch immer keine Ahnung wohin wir genau wollten!). Aber nein!
Gemäss dem Motto „jeder kämpft für sich allein“ brausten meine Kolleginnen wieder davon und waren innerhalb von fünf Sekunden in den Mopedmassen verschwunden. Ich fuhr tapfer und einfach auf gut Glück noch ein bisschen weiter, aber als ich nach ein paar Kreuzungen und trotz eines guten Orientierungssinns, gar keinen blassen Schimmer mehr hatte, wo ich war, rief ich leicht entnervt die Damen an, die mich aufforderten, erneut zurück zu fahren. Und wirklich! Nach 500 m wurde ich von einer kleinen Gruppe hüpfender, winkender und laut kreischender Frauen, meiner Kollegen, grinsend in Empfang genommen. Die Erkenntnis dieses Herumirrens: ich weiss jetzt, wo sich die Pham Ngoc Tach Strasse in Hanoi befindet…

Und weil ich grad am vergangenen Wochenende zu einem Wiedersehen mit einer sehr guten Freundin in Bangkok war, hier nebenstehend noch ein Bild vom Wat Arun Tempel (in der Nähe des Königspalastes) bei Nacht. Genau vor dieser Kulisse und mit dem Blick auf’s Wat Arun haben wir zu Abend gegessen.
Das Wochenende war super. Vielen Dank, Betti & bis zum nächsten Mal!