Trixi in Vietnam

Sunday, June 24, 2007

24. Juni 07
Ein sommerlich heisses Hallo nach Deutschland. Nachdem ich die letzte Woche und meinen heutigen Sonntag wieder gut schwitzend verbracht habe, bin ich nun in meine Wohnung mit Klimaanlage geflüchtet und berichte endlich mal wieder.

Es gibt doch ein Sprichwort: Wenn jemand eine Reise tut, dann kann man was erleben.
Wie zum Beispiel am vorletzten Wochenende, als eine gute Freundin und ich uns kurzfristig entschieden, für 2 Tage auf die Insel Cat Ba (in der Ha Long Bucht) zu fahren. So als Wochenendausflug um Hanoi und dem Stadtgewusel zu entkommen. Also buchte ich den Transfer für die eigentlich nicht wirklich weite Strecke (ca. 150 km) und wir waren auch schon nach knapp 4 Stunden am Ziel!

Und das ging so: Der Bus sollte am Samstagmorgen kurz nach 7 Uhr losfahren. Ich hatte sogar einen Busnamen als Hinweis bekommen, worauf ich bei der Aufschrift achten sollte. Es muss sich um ein grösseres Busunternehmen handeln, denn es fuhren dort am Abfahrtort fast nur Busse mit der Beschriftung herum. Herrje! Und natürlich nix mit Busbahnhof wie wir das kennen. Nein. Da stehen alle schön an der sowieso schon viel befahrenen Hauptstrasse und wenn ein Bus kommt (mit Glück zeigt ein Schild im Fahrerfenster an, wo die Reise hingehen soll), der noch nicht picke-packe voll ist, dann fährt dieser etwas langsamer, was das Signal zum Aufspringen ist und man selbst verfällt in einen leichten Laufschritt und springt in den Bus rein. Naja, halt einfach eine schnellere Version des Einsteigens. Und wahrlich, auf diese Weise landeten wir doch wirklich im richtigen Bus nach Hai Phong.

Und weil man den GESAMTEN Platz im Bus ausnutzen kann (was im Endeffekt auch einfach zusätzliches Geld bringt) und anscheinend auch viele Leute die Strecke fahren, wurden schon gleich zu Anfang Vorkehrungen für extra Sitzgelegenheiten im Gang des Busses geschaffen (s. nebenstehendes Bild). Da mag man gar nicht an Deutschland oder Europa mit den vorgegebenen Richtlinien zur Beförderung von Personen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr denken, gell? Einfach die vietnamesische Allzweckwaffe zücken: Plastikstühle rausholen, in den Gang stellen und schon können 10 Leute mehr mitkommen. Das wäre bei uns in der Heimat schon gar nicht denkbar wegen der Sicherheitsregeln (wozu denn ein Sitzgurt??) und ausserdem: wer würde bei uns nicht eine Riesendiskussion anfangen, wenn es darum ginge, für einen normalen Sitzplatz zu bezahlen und dann auf einen kleinen Höckerchen für eine 2,5 Stunden Busfahrt Platz zu nehmen? Aber hier ist das Alltag und niemand muckt.

In Hai Phong angekommen mussten wir in einen anderen Bus wechseln, der uns zum Schnellboot! (welches uns dann in 30 min. rüber zur Insel schiffte), fuhr. Und dieser Bus war echt das Highlight! Es war ein Liegebus über Über-Nacht-Touren. Warum man diesen Riesenbus für den 20 min. Transfer zum Bootsanleger angebracht hat, ist mir ein totales Rätsel geblieben. Wie auch immer, wir mussten alle auf die Etagenbetten/-liegen krabbeln. Ich als Ausländerin bekam freundlicherweise ein ganzes "Bett" für mich - anders als die vietnamesische Gang auf der anderen Seite des Busses (s. nebenstehendes Bild). Sitzen auf dem Bett konnte ich allerdings nicht, weil ich ständig mit dem Kopf gegen die Decke stiess und so musste ich mich für die Strecke wirklich hinlegen. Was für eine komische Busfahrt! Voller Vorfreude erwartete ich schon die Rückfahrt...

Das Boot brachte uns dann zur Insel und nach einer weiteren Busfahrt von einer knappen Stunde erreichten wir endlich die Stadt Cat Ba, unser Wochenendziel.
Es war Samstag Mittag und wir wollten schnellstmöglich zum Strand gehen. Cat Ba hat 3 Strände und ich glaube, mit "Beach 2" hatten wir uns den schönsten ausgesucht. Dieser Strandabschnitt liegt hinter Strand "Nr. 1" und ist über eine Brücke direkt am Berg entlang zu erreichen. Nachmittags, mit der Sonne und dem Rauschen des Wassers, war es toll dort zu schwimmen, am Strand zu liegen, ein Buch zu lesen und einfach das Wochenende zu geniessen. Zu dieser Zeit gehen die Lokalen auch nicht an den Strand oder ins Wasser, halt wegen der Sonne. Die Vietnamesen gehen dann Baden, wenn wir Westler uns auf den Heimweg machen, nämlich kurz vor Sonnenuntergang (der hier auch im Sommer schon sehr zeitig ist, also gegen 18/18:30 Uhr).

Und da der Weg zum Strand 2 (wo wir waren) wohl zu weit war für die meisten Vietnamesen, bot sich uns folgendes Bild auf dem Rückweg am Strand 1. Dort waren Menschen über Menschen am Strand und im flachen Wasser (weit rein gehen hier die meisten nicht aufgrund des Nicht-Schwimmen-Könnens). Also muss man sich eine Riesenmenschenmenge vorstellen, die diesen Strand bevölkerten und im knietiefen Wasser standen oder sassen. Was für ein Anblick! Die wenigen Westler, die diesem Spektakel beiwohnten, blieben einfach nur sprachlos stehen.

Am Sonntag verbrachten wir auch noch einige Stunden am Strand, wo ich den "Rettungsschwimmer" am Strand (die gehen nicht ins Wasser) fast in den Wahnsinn trieb, weil ich so weit draussen im Wasser war (ja, da wo man NICHT!!! mehr stehen konnte und schwimmen musste!) und ziemlich lange umher schwamm. Und der Typ dachte, es wäre für mich und besonders für ihn sicherer, wenn ich wieder in den stehtiefen Bereich des Wassers zurückkommen würde. Jedenfalls hüpfte das Männchen die ganze Zeit wie wild am Strand auf und ab, schwenkte ein Fähnchen und pfiff in seine Trillerpfeife um mich zum Zurückschwimmen zu animieren. Ich versuchte das so weit wie möglich zu ignorieren, wurde allerdings aufmerksam, als meine Freundin dann auch mit dem Fähnchen zu winken begann. Der Bademeister hatte meiner Freundin gesagt, sie solle mich irgendwie aus dem Wasser rausholen oder er müsse ein Boot klarmachen und mich zurückholen, weil ich nicht so lange und so weit draussen im Wasser bleiben könne! Ja, was sagt man dazu? Ich glaube, der Rettungsschwimmer und ich haben auch den Leuten am Strand ne gute Unterhaltungseinlage geboten...

Die Rückfahrt nach Hanoi verlief ähnlich wie am Vortag - nur der Liegebus war wohl nicht verfügbar ;o) So ging’s per Bus-Boot-Bus wieder zurück nach Hanoi, und wie ihr auf dem Foto nebenbei sehen könnt: auch hier gab es wieder die zusätzliche Sitzverteilung in der Gangmitte, die hübsch eingehalten wurde und zusätzliche Mitreisende brachte, die alle fest die Spuktüten in den Händen hielten (Hier in Vietnam werden die lokalen Leuten bei Auto-/Bus-/Bahnfahrten und auch bei Flugreisen immer ganz schnell reisekrank wegen der ungewohnten Bewegung des Fahrzeuges. Diese Fortbewegungsformen sind die Menschen einfach noch nicht lange genug gewohnt und reagieren super sensibel.), aber bei uns da auf dem Ecken zum Glück nicht weiter benutzen mussten.

Wednesday, June 06, 2007

06. Juni 07
Hanoi kämpft mit der Hitze!
Heute Vormittag hab ich von zu Haus aus gearbeitet, denn als ich wie gewohnt morgens gegen 8:30 am ins Büro kam, hatten wir Stromsperre und ich wurde von den KollegenInnen gleich informiert, das wenn wir wieder Elektrizität hätten (über Generator), dann wäre es nicht ausreichend um die Klimaanlage laufen zu lassen.
Und heute war es mit nur 36°C (angefühlt hat es sich wie gekochte Luft) unglaublich heiss - morgen soll´s 39°C und Freitag 41°C werden.
Jedenfalls hockten wir alle, Papier und Fächer wedelnd im Büro und warteten darauf, das der Strom wiederkommen würde. Und nix geschah...

Es hat in den letzten Wochen nur wenig geregnet, und die Flüsse für und zu den Kraftwerken führen zu wenig Wasser, somit wird immer mal wieder und regelmässig tagsüber der Strom in den verschiedenen Stadtteilen abgeschaltet. Dabei muss man beachten, dass grosse Städte wie Hanoi oder Hai Phong noch bevorzugt behandelt werden was die Stromzuteilung angeht.
Jedenfalls hatte ich in der Hitze im Büro das Gefühl, nicht mal klar denken zu können, von produktivem Arbeiten ganz zu schweigen. Also fuhr ich heim und arbeitete vom Laptop aus. Gegen Mittag war der Strom im Office wieder da und am frühen Nachmittag funktionierte, Gott lob!, auch die A/C wieder und ich konnte an den Schreibtisch zurückkehren.

Ausserdem habe ich heute noch 2 Sachen gelernt:
1. Gerade (beim Kochen und Abendessen mit Freunden aus Australien) habe ich erstmals Pommes in einen Mix aus Mayonnaise und Pflaumenmuss oder Kirschmarmelade gedippt - und es war sehr ungewöhnlich, aber doch echt lecker. Schon komische Essgewohnheiten, diese Aussis!

2. Gemäss der Philosophie des Yin-und-Yang-Prinzips gibt es anscheinend auch im Bereich Obst/Gemüse Besonderheiten. Nun habe ich von meinen Kollegen bei meinem Frühstück an der Arbeit erfahren, das Sorten wie Bananen, Mango und Litschi zum "heissen" Obst gehören; soll heissen, wenn man dieses Obst ist, wird einem eher warm und man fühlt sich schneller erhitzt, was man bei dem hiesigen Wetter ja nun nicht noch zusätzlich gebrauchen kann. Alle möglichen Zitrusfrüchte wie Orangen, Pomelo (die asiatische Variante der Grapefruit) oder Zitronen wiederum seien "kühles" Obst und perfekt geeignet für den Sommer. Nur zu dumm das ich Mangos und Litschies so gern mag und die Litschi-Saison gerade jetzt beginnt...

Monday, June 04, 2007

04. Juni 2007
Kaum zu glauben: nun bin ich schon seit gut einem Jahr hier in Vietnam und mir ist grad aufgefallen, das ich noch nicht einmal über das Essen hier geschrieben habe. Wie untypisch für Vietnam. Hier dreht sich nämlich ziemlich viel ums Essen und um es kurz zu sagen – die Vietnamesische Küche ist super gut. Ich mag die frischen, abwechslungsreichen Speisen – auch wenn man nicht immer sofort identifizieren kann, was der Inhalt ist.

Vieles spielt sich auf der Strasse ab. Ich kaufe mein gesamtes Obst bei den Händlerinnen (fast nur Frauen!) auf der Strasse. Man sieht die Ware, verhandelt kurz, bezahlt und das war´s - ich muss dafür nicht mal vom Moped absteigen. Annanas, Mango, Pomelo und Jackfruit sind meine Lieblinge in der Obstfraktion. Und sooo günstig! Was ist nicht mache, ist Obst oder Gemüse wie Weintrauben, Mohrrüben oder Kirschen kaufen. Bei frischen Lebensmitteln die ich nicht schälen kann oder die in der Erde wachsen bin ich vorsichtig. Hier in Vietnam wird mit Dünger und Pestiziden nicht gerade sparsam umgegangen.
Nur ein Beispiel zum allgemeinen Verständnis was das ganze Thema „Gebrauch von Zusatzstoffen“ angeht: Glutamat (Geschmacksverstärker) hat einen äusserst schlechten Ruf und wird in Deutschland und Europa inzwischen so wenig wie möglich bei der Lebensmittelzubereitung verwendet. Hier ist das Ganze gar kein Thema und man kann das weisse Pulver tütenweise im Supermarkt kaufen…

Da sich wie gesagt alles auf der Strasse bzw. am Strassenrand abspielt ist man immer fix da, und der Handel ist schnell zu erledigen. Allerdings bringt diese Nähe zur Strasse halt auch den damit verbundenen StrassenVERKEHR incl. aller Abgase und Gestank mit. Da überlege ich dann immer 2x, ob ich das geröstete Brot, die Pho (Nudelsuppe, das vietnamesische Nationalgericht) oder das geschältes Obst direkt von der Marktfrau kaufen soll, die schon den ganzen Tag dort inmitten der Moped- und Autoabgase gesessen hat.

Ich liebe an Hanoi, das es hier eine wirklich grosse Auswahl an Restaurants, Garküchen und Essensrichtungen gibt. Somit esse ich oft und vorwiegend vietnamesisch, aber zwischendurch mal indisch, italienisch oder einfach auch nur Pommes essen gehen zu können ist ein echter Zugewinn. Schliesslich mögen wir in Deutschland ja auch abwechslungsreiche Kost und nicht das tägliche Einerlei. Ich vermisse auch kein Brot (okay, hin & wieder so ein RICHTIGES Körner-Schwarzbrot wäre schon schön) oder Käse (gibt’s in den kleinen West-Supermärkten, ist aber unangenehm teuer!). Die Franzosen haben das Brot & die Backkunst nach Vietnam gebracht und die Menschen hier haben verstanden, dies nach Ende der Kolonialzeit nicht wieder aufzugeben. In anderen Ländern Asiens/Südostasiens ist Brot, wie wir es in Europa kennen, kaum zu finden…

Zu meinen einheimischen Lieblingsgerichten gehören definitiv die Pho (Nudelsuppe mit Rind- oder Hühnerfleisch, frischen Kräutern und Gewürzen. Man bekommt auch noch trockenes Fettgebäck dazu [das klingt jetzt nicht so lecker wie es schmeckt] und taucht es in die Suppe ein) und Bun Bo (ein Gericht aus dem Süden Vietnams, siehe nebenstehendes Bild) Übersetzt heisst es Reisnudeln mit Rindfleisch. Ich nehme das Essen eigentlich immer ohne Fleisch und NEIN ich esse dann nicht nur die blanken Nudeln. Es kommt noch Grünzeug, Erdnüsse, Brühe und Gewürze dazu. Beide Gerichte würzt man jeweils noch mit scharfer Sosse, Sojasosse, Knoblauch-Essig und/oder Limettensaft. Das sind so einfache Gerichte, aber soooo super lecker!

Und am besten ist man diese Sachen natürlich in einer der unzähligen Garküchen, die´s überall in Hanoi und Vietnam gibt. Eine liebe Freundin hat bei ihrem ersten Besuch in Hanoi gesagt „hier spielt sich aber schon sehr viel in Bodennähe ab…“ und genauso ist es! Auch beim Essen! Überall findet man die Marktfrauen und ihre Kundschaft vorwiegend auf den Mini- Plastikstühlen (Höhe: alles von 10-60 cm) hocken und essen (ihr könnt euch vorstellen, wie ich bei meiner europäischen Grösse dann auf diesem Höckerchen zusammengefaltet dasitze). Und das eigentlich rund um die Uhr. Bei mir neben meinem Tor zum Wohnhaus ist ein Hauseingang, wo tagsüber eine Mopedwerkstatt drin ist und am Abend (Feierabend kann man das ja nicht nennen, denn die Vietnamesen scheinen alle und immer zu arbeiten) wird das zu einer Garküche und es gibt Pho zu kaufen.

Und dann gibt’s in Vietnam ja noch das Phänomen des „bia hoi“ (Frischbier). Dieses wasserartige Bier gibt es überall (in Hanoi ist die „bia hoi corner“ in der Altstadt der ultimative Treff) und gern auch schon zum Mittagessen. Wenn ich nun aber mit meiner „ich bin zwar aus Deutschland, aber ich mag kein Bier“ Erklärung daherkomme, können mich allerdings weder Einheimische noch andere ausländische Freunde verstehen! Meistens krieg ich dann ein Bier und Cola/Sprite zum Mischen mitbestellt…

In diesem Sinne: holt die Plastikstühlchen raus und ran an die Stäbchen!