Trixi in Vietnam

Saturday, September 09, 2006


13. September 06
In der vergangenen Woche war Nationalfeiertag in Vietnam. Da der Tag auf einen arbeitsfreien Samstag fiel, trat die allgemein übliche Handhabe in Kraft, den folgenden regulären Werktag frei zu haben. Somit konnte ich mich auf ein langes Wochenende freuen.
Anlässlich des Unabhängigkeitstages (03. September) wurden in ganz Hanoi (ich denke mal auch im ganzen Land) und natürlich auch in unserer Strasse die Fahne Vietnams gehisst. Und kaum hat man sich versehen, war wirklich jedes Haus in der Ngo Hué mit einer roten Flagge mit gelbem Stern versehen. Aber auch was diesen gezeigten Nationalstolz angeht, sehen es die Vietnamesen ganz pragmatisch. Die Fahnen wurden pflichtbewusst am Feiertag (oder am Vorabend) aufgehangen und waren nach dem Wochenende aber auch schon wieder weg.

Ich wollte das lange Wochenende nutzen, um endlich mal wieder ein bisschen raus zu kommen und etwas Abwechslung zum Stadtgewimmel hier in Hanoi zu haben. Kurz entschlossen sagte ich zu, mit einer reinen Mädelsgruppe auf eine privat-organisierte Tour in den Ba Be-Nationalpark, ca. 280 km nördlich von Hanoi gelegen, zu fahren. Und wir waren wirklich ein Hühnerhaufen: 11 deutsche Frauen! Schon am Abend vor der Abfahrt wurde ich gefragt (als ich in der Kneipe schon früher gehen wollte) ob ich denn auch bei DIESER Frauenausflugsrunde bei wäre?! Aha, das hatte sich also in der deutschen Community in Hanoi schon rumgesprochen!

Am Samstagmorgen machte ich mich also schon früh morgens auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Da ich mein Moped für die drei Tage nicht am Hanoi Tower in der Tiefgarage stehen lassen wollte, nahm ich mir ein Xe Om (Mopedtaxi) und fuhr bei blauem-Himmel-und-Sonnenschein die kurze Strecke zur Hai Ba Trung Strasse. Dort trudelten auch nach und nach meine Mitstreiterinnen ein. Und es ist echt unglaublich, aber bei solchen Sachen kommen doch urdeutsche Eigenschaften raus: wir waren um punkt 7 Uhr alle - mehr oder minder wach und fit- zur Abfahrt bereit. Da wurde sich noch schnell untereinander vorgestellt, weil wir zwar alle bei deutschen Organisationen in Hanoi arbeiten, aber sich doch noch nicht alle kannten oder es musste noch der ein oder andere Kaffee für die anstehende Busfahrt besorgt werden. Aber wie gesagt, früher Vogel... jedenfalls ging die Fahrt los.

Geplant waren ursprünglich 6 Stunden für die Strecke. Und jetzt bitte nicht nochmal hochscrollen, denn NEIN, ihr habt euch nicht verlesen. Der Nationalpark ist von Hanoi aus wirklich nur knapp 300 km entfernt und JA, man kann für solche Weiten hier sehr bequem soviel Zeit ansetzen. Die braucht man dann auch, und zwar nicht wegen ständiger Raucher- oder Pinkelpausen!!! Nein, es ist einfach so, das man hier wegen der Strassen- und allgemeinen Verkehrverhältnisse nicht schneller vorwärts kommt. Ausserdem gings das letzte Stück auch noch etwas bergauf, was uns zusätzlich in der Zeitplanung etwas zurückwarf. Kurzum, wir brauchten gut 7 (und ein bisschen) Stunden für diese Strecke (gut das wir das lange Wochenenden hatten, sonst hätte sich der Aufwand mit der Fahrt gar nicht gelohnt!). Aber dafür wurden wir landschaftlich schon während der Zeit im Bus entschädigt. Es war einfach sagenhaft. Was für eine schöne Gegend! Satte, grüne Wälder, unberührt anmutende Berge und eine beeindruckende Weite!


Als wir dann endlich im Nationalpark Ba Be ankamen, war es schon Nachmittag und wir wollten endlich nur laufen, gehen und uns bewegen nach dem zusammengefalteten Sitzen im Bus. Nachdem wir unsere Sachen in den Bungalows verstaut hatten, machten wir eine Erkundungstour zum Ba Be See (3-Seen-See, weil es sich um ein Gewässer aus drei verschiedenen Seen handelt), dem "Schatz" des Parks. Direkt am See ist alles so dicht bewachsen, das man von einem Dschungel sprechen kann. Im Nationalpark gibt es eine artenreiche Tierwelt, dort hat eine kanadische NGO eine Forschungsstation (die wir uns auch noch angeschaut haben) und die Parktverwaltung bemüht sich gerade darum, dieses Gebiet bei der UNESCO als Weltnaturerbe anzumelden. Und ich fand es ganz einfach nur wunderschön!

Am Sonntag hatten wir dann eine Bootsfahrt (ein Muss!) auf dem Nang Fluss und dem Ba Be See geplant. Naja, an die vietnamesische Form von Organisation muss ich mich noch gewöhnen: erst hat uns der Guide versetzt und wollte noch nicht so früh losfahren. Wo wir uns alle extra früh zu 8 Uhr aus dem Bett gequält hatten! Als wir endlich nach 9 Uhr losfuhren, war dann gar kein Guide mehr da und wir bestritten das Unterfangen allein (plus - natürlich -der Typ, der uns rumschipperte). Die Bootsfahrt war sehr schön und ich genoss die Aussicht auf die tolle Umgebung.
Und wer neugierig ist: das mit der Frauenrunde klappte auch erstaunlich gut. Elf Mädels ist ja nun nicht gerade ne kleine Runde, aber es war ganz angenehm, weil man sich immer schnell einigen konnte (naja, so viele verschiedene Möglichkeiten der Tagesgestaltung gabs ja auch nicht) und es war immer mal jemand anderes zum Erzählen da. So hab ich an dem Wochenende dort einige sehr nette Leute kennengelernt.


Nach einiger Zeit auf dem Boot kamen wir in die Puong-Höhle. Da fährt man durch, aber wir hatten auch Zeit, etwas auf den Felsen rumzulaufen. Allerdings ist die Höhle über und über mit Fledermäusen bevölkert und so war das Ganze nur ein recht kurzer Zwischenstopp.
Das nächste Mal hielten wir zum Mittagessen an, aber weil es noch nicht mal 12 Uhr war, wollten wir erstmal zum Wasserfall gehen, der ganz in der Nähe war. Auf dem Weg bekamen wir die Sonne mal wieder richtig gut zu spüren. Ich hatte meine körpereigene "sweat machine" wieder angeworfen und freute mich über jede Pause und jedes schattige Plätzchen. Ehrlich, diese Luftfeuchte und unglaubliche Hitze die Tage dort in Ba Be werden mir wohl, neben all der landschaftlichen Schönheit, auch sehr deutlich in Erinnerung bleiben.


Aber dann der Dau-Dong-Wasserfall. Was für ein Anblick! Der Wasserfall war nicht besonders tief, aber dafür breit und langgestreckt. Das Wasser bahnt sich seinen Weg durch ein wahres Felsenlabyrinth. Wir waren alle begeistert von diesem Fleckchen und wollten einfach ein bisschen länger dort bleiben. Nur unserem Guide gefiel das nicht. Ich glaube, er konnte uns Westler-Frauen absolut nicht verstehen, die wir so einen Aufstand machten wegen des bisschen tosenden Wassers.
Jedenfalls hockten wir uns auf die Felsen, hielten die Füsse ins Wasser, einige kletterten auf den Steinen rum oder genossen nur die Aussicht auf die Umgebung. Ich hätte da ewig sitzen können! Anschliessend trabten wir dann brav zum Mittag im nahen Minoritätendorf der Thai-Bevölkerung. Und auch wenn die Behausung nur eine kleine Hütte und äusserst einfach eingerichtet war: das Essen war super lecker und wir kamen sogar mit den Leuten dort etwas ins Gespräch.
Die verbleibende Zeit der Bootstour fuhren wir dann auf dem Ba Be See rum. So das wir am späten Nachmittag zurück am Anlieger und nach einem Tag, wo ich eigentlich nur "grün" gesehen hab, gut erschöpft aber auch mit vielen neuen Eindrücken zurück waren.

Bevor es am nächsten Tag zurück nach Hanoi ging (jawoll, auch dieses Mal betrug die Fahrzeit wieder 7 lustige Stunden im Bus) teilten wir uns in 2 Kleingruppen und gingen entweder in aller Herrgottsfrühe wandern oder zu angemessener Zeit, nämlich um 8 Uhr, zum Walking in die nähere Umgebung. Ich beteiligte mich bei letzterem und wir konnten noch ein weiteres Mal etwas mehr von der schönen Landschaft dort am Nationalpark mitbekommen.

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