21. August 06
Das ich so schnell in die Lage komme, ein Krankenhaus hier in Vietnam von innen zu sehen, hätte ich bis vor ein paar Tagen auch nicht gedacht. Aber well: es kommt immer anders, als man denkt. Aber keine Sorge: es geht mir heute schon wieder ganz gut.
Am letzten Freitag hockte ich schon den 3. Tag mit fetter Erkältung auf der Arbeit und eine Kollegin brachte gleich ganz hilfsbereit ein paar Kapseln an. Schön gross und sehr bunt. Ich weiss bis heute nicht, was das für Pillchen waren (alles Natur! natürlich), aber sie sollten wirken...
Leider war mein Schnupfen wohl für homöopathische Mittel schon zu weit fortgeschritten, denn die Tabletten zeigten leider gar keine Wirkung und Samstag (sehr arbeitgeberfreundlich) gings mir dann richtig schlecht mit Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit u.ä. und weil auch mein Kreislauf nicht so richtig in Schwung kam, sah ich mein Zimmer in allen möglichen Farben...
Ein Freund riet mir dann doch mal zur Untersuchung ins Krankenhaus zu fahren. Ärzte besuchen Ausländer in den grossen Städten wie Hanoi und Saigon nicht direkt in Praxen, sondern in den privaten Krankenhäusern. Die Einrichtungen halten dort durchaus mit dem gängigen Standard einer Grosstadt in Deutschland mit. Also machte ich mich mit dem Taxi auf zum "French Hospital". Dort wollte dann an jeder Ecke das Personal, in freundlichem Englisch, von mir wissen, welchen Spezialisten ich denn sehen möchte. Mit verschnupfter Stimme erklärte ich nur, dass ich wegen meiner Erkältung hier wäre und gern einen zuständigen Arzt sprechen wollte. Nachdem ich ein Infoblatt mit meinen Daten ausgefüllt hatte, wurde mir erklärt, die Untersuchung koste pauschal 55 US-$. Damit hatte ich ja schon gerechnet, bzw. von anderen Krankenhäusern von durchaus höheren Preisen gehört. Ich wurde dann in ein Wartezimmer geschickt, hatte aber immer noch keine Idee, welchen Arzt ich denn nun sehen würde.
Nach einiger Wartezeit brachte mich dann eine nette Frau in ein Behandlungszimmer und der vietnamesische Arzt stellte sich als HNO-Arzt heraus. Zumindest waren das die Bereiche, die er bei mir untersuchte. Das ich eine entzündete Nase hatte? ja, das wusste ich schon! Und Kratzen im Hals? Ja, auch das. Mit der Diagnose der Erkältung war ich aber eigentlich schon selbst zum Krankenhaus gekommen. Ich wollte nur einen weiteren Checkup und Medikamente.
Der Arzt schaute mich nach der Hals-Nasen-Ohren-Untersuchung freundlich an, meinte "no problem" und machte sich daran, ein Megarezept auszustellen.
Ich sass nebendran und merkte, dass mir nicht gut war...
Ich kam wieder zu mir, als der kleine Arzt laut und auf Vietnamesisch auf mich einredete. Dann durfte ich in einem Rolli Platz nehmen (sowas hatte ich auch noch nie zuvor) und wurde in ein Krankenzimmer gefahren. Die Einrichtung (das bekam ich dann aber erst später mit) war standardmäßig mit Bett und nem TV an der Decke. Und hat nach meiner unwissenden Einschätzung schon wie ein absolut normales Krankenzimmer ausgesehen. Dort konnte ich mich endlich auf ein Bett legen, denn ich fühlte mich einfach nur unendlich müde. Nachdem ich versicherte, dass ich gegen nix allergisch bin, wurde mir gesagt, das man eine Infusion legen und ich Sauerstoff bekommen würde. Bevor das allerdings "angeschlossen" wurde, kam eine andere freundliche Dame vom Personal und informierte mich, das die Behandlung jetzt nochmal irgendwas über 100 US-$ kosten würde. Ahh, schnurz-egal! Mir gehts schlecht, da zahl ich, was es kostet!
Es ist echt schon heftig, wenn man - wo auch immer - direkt oder indirekt nur als wandelnder Geldschein betrachtet wird. Und da gibts ja nun wahrlich angenehmere Orte als ein Krankenhaus!
Nachdem ich etwas geschlafen hatte und auch der Tropf die erste Wirkung zeigte, gings mir schon besser. Zumindest konnte ich das lustige Krankenhausmittag essen (es gab Sandwich und Pommes und eine undefinierbare orange Suppe). Allerdings horchte ich auf, als ich gefragt wurde, was ich zum Abendessen gern hätte? Abendessen? So lange wollte ich aber gar nicht bleiben. Zum Glück kam ein Arzt und bestätigte mir, das ich nach dem Durchlaufen der Infusion, was so 3 Stunden dauern sollte, wieder gehen konnte.
Und so schlummerte ich dann mehr oder weniger die restliche Zeit und durfte dann, noch etwas wackelig auf den Beinen, zum Auschecken und Bezahlen. Ich fühlte mich aber wirklich schon besser.
Allerdings musste ich mich später noch auf den Weg machen, um die Liste der Medikamente zu besorgen, die mir der Arzt verschrieben hat. Als ich in einer Apotheke fündig wurde, musste ich für die verschreibenen Sachen, die, für hiesige Verhältnisse, schier unglaubliche Summe von über 20 € für 4 Medikamente zahlen. Leider konnte ich mich bei der Hälfte der Tabletten weder nach dem Wirkstoff noch den Nebenwirkungen erkundigen, denn hier werden Tabletten nicht in der ganzen Packung sondern einzeln bzw. wie vom Doktor verordnet zugeteilt. Daher hab ich jetzt eine gute Tüte voll mit allen möglichen Antibiotika, die ich aber nicht alle ganz genau zuordnen kann und gewiss auch nicht komplett aufbrauchen werde. Ich will ja nicht als Dauer-Zombie durch die Gegend laufen!
Und weil´s mir kreislaufmässig (auch vom aktuellen Wetter her, denke ich) immer noch nicht so rosig geht und ich ja den angestrebten Komplett-Check-Up noch nicht bekommen hab, geh ich morgen früh nochmal ins French Hospital. Jetzt weiss ich auch, wo ich genau lang muss...
Aber keine Sorge! Bin bald wieder fit! ;o)

6 Comments:
GAAAANZ viel Gute Besserungswünsche rübersend... Bring doch ein paar von den Pillen mit, dann feiern wir ne Party! ;-)
Hey Trixi,
Laß Dich gesund pflegen und nicht auf zuviel Drogen setzen ;-)
Gute Besserung !!!
Gute Besserung mein Hase!
Hey Trix, hoffe Dir geht es wieder besser? Ich hab gerade auch ´ne mega Erkältung!
Aber in Vietnam ist das alles ein bisserl anders, wenn man krank wird. aber gut, daß es in der Hauptstadt passiert ist, in den kleinen Städtchen wird es schon schwieriger...
Ich find ja, du siehst auch schon wie eine nette lächelnde Vietnamesin auf auf den jüngsten Fotos- Wie schön, daß Dr das Land auch so gut gefällt!
Liebe Grüße Susann
Hallo Trixi,
ganz liebe Grüße aus Hamburg sendet Dir Anja... Hab von meiner Ma erfahren wo Du steckst und was Du so treibts. Die Damen haben sich wohl beim allmonatlichen Treff darüber unterhalten, und Mutti war so clever und hat sich gleich die page geben lassen. ich habe schon einiges gelesen und bin echt begeistert. meinen hut ziehe ich auch.. Du bist echt verückt :)) Ich hoffe Dir gehts wieder gut? Lass Dir bloß nicht irgendeinen Mist dort andrehen.. nicht dass Du Dein Zimmer wieder in allen möglichen Farben siehst, lach. Also ich werde weiter mit Spannung Deine Info`s lesen und verbelibe mit ganz lieben Grüßen....Anja Heidel
meine mailadresse lautet: anjaheidel@lokleiter.de
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