Trixi in Vietnam

Monday, June 19, 2006

21. Juni 06
Nachdem ich in der letzten Woche wieder mächtig mit dem vietnamesischen Internet, einer heftigen Magenverstimmung sowie einer Erkältung zu kämpfen hatte, geht es mir jetzt wieder prima und ich kann mich endlich wieder meinem Blogg widmen.
Ich hoffe, im Fussball-verrückten Deutschland gehts euch allen auch gut und ihr geniesst die, sicherlich einmalige und tolle Stimmung!

Meine bereits erwähnten Magenprobleme Anfang letzter Woche haben mich ziemlich ausgeknockt, aber ich glaub, ich war daran auch ein bisschen selbst Schuld...
Das Essen hier in Vietnam ist insgesamt ein absoluter Traum. Die Speisen sind abwechslungsreich, immer lecker mit frischen Kräutern und scharfen Sossen gewürzt und auch richtig was fürs Auge. Und als Überbleibsel aus der franz. Kolonialzeit gibt es auch den Luxus von frischem Brot, tollem Kuchen und anderen Leckereien.

Aber nach gut 2 Wochen haben wir Deutschen uns dann auch fit und Vietnam-erfahren genug gefühlt, mal was Exotisches auszuprobieren und wollten Schlange essen gehen. Von unserem Sprachlehrer bekamen wir den Tipp für ein bekanntes Schlangen-Restaurant etwas ausserhalb von Hanoi, in Le Mat. Voller Vorfreude fuhren wir da am vergangenen Sonntag zur besten Essenszeit hin, nachdem wir uns seelisch und moralisch schon auf den Speiseplan eingestellt hatten.

Zu Anfang lief auch alles prima, denn im Restaurant gab es nur ein Gericht: Schlange. Somit waren zumindest schon eventuelle Sprachschwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Wir entschieden uns für eine Kobra, denn das Fleisch sollte am besten schmecken. Pro Person kostete der Spass 10 $, was für vietnamesische Verhältnisse eine Riesensumme ist. Aber was tut man nicht alles für eine Spezialität.

Auf das, was dann kam war ich allerdings nicht vorbereitet. Der gute Hilfskellner brachte unser zukünftiges Abendessen direkt an unseren Tisch. Und zwar noch lebend! Ich hab zwar keine Angst vor Schlangen, war aber doch überrascht, das sich windende Tier direkt vor der Nase zu haben. Zu meinem Horror kam hinzu, das die Schlange genau neben uns getötet wurde. Ich konnte gar nicht hinschauen. Allerdings kam´s dann noch besser, als wir nämlich je ein kleines Likörglas mit einer roten und einer grünen Flüssigkeit drin an den Tisch bekamen.

Ohne weiteres Nachfragen wussten wir, was darin war: frisches Blut und Gallensaft der Schlange. Das gilt hier als Besonderheit und soll eine "belebende" Wirkung haben. Darauf konnte ich getrost verzichten und schob das Glas gleich weit ausserhalb meiner Reichweiter. Abschliessend - und diesen Anblick werde ich nie vergessen - brachte uns der Kellner einen Teller, worauf das noch schlagende Herz der Kobra lag. Er sah uns fragend an, wer das Herz zusammen mit dem Blut trinken wollte. Ich muss wohl schon sehr blass um die Nase ausgesehen haben, denn mein Glässchen peilte er gar nicht an und ich blieb verschont.

Voller Bewunderung aber ohne jede Spur von Neid kann ich sagen, daß nur Bettina aus unserer Gruppe so mutig war, nach dieser Vorstellung wirklich das Blut zu trinken (an die grüne Galle wollte aber niemand ran). Auch wenn unser narzistischer Kellner regelmäßig an unseren Tisch zurückkam und uns immer wieder die kleinen Gläser zuschob, um uns zum Trinken anzuhalten.
Damit war ich schon vorm Essen satt!

Und was das Schlagenfleisch und die einzelnen Gerichte (6) an sich anging, waren wir dann doch etwas enttäuscht. Das Fleisch schmeckte nach nichts Besonderem und es war nur mässig gewürzt. Ich knabberte dafür ein bisschen mehr am Brot rum. Ich meine, für mich war an dem Abend sowieso egal, was bei mir auf dem Teller lag, weil ich schon von der Zeremonie vorher traumatisiert war.
(Komischerweise konnte ich dann aber die Schlangen-Chips [s. Bild] mit dem typischen Muster der Haut ohne weiteres verputzen, wo meine beiden Mitstreiterinnen streikten.)

Mit dem Ausprobieren von anderen Spezialitäten, wie z.B. Hundefleisch werde ich aber auf jeden Fall noch eine laaaange Zeit warten....

Und damit ihr keine Alpträume von meiner Essenserfahrung bekommt, hier noch ein Bild vom schönsten Tor (Khue Van Cac Mon) im Literaturtempel, den ich mir vor ein paar Tagen angesehen hab.
Der "Van Mieu" ist die grösste Pagode (Tempel) Hanois und eines der Wahrzeichen. Es besteht aus fünf verschiedenen Höfen. Dort wurde schon vor knapp 1000 Jahren unterrichtet. U.a. lehrte Konfuzius an dieser "ersten Universität in Vietnam".

6 Comments:

At 4:35 PM, June 21, 2006, Anonymous Anonymous said...

Hi Trixi!
Ganz schön heftig von dir, mit Magenproblemen Cobra essen zu gehen. Du hast mir aber mit deinen Erzählungen diese Gaumen freude erspart.

Vielen vielen Dank!
ciao Hakan

PS: Mach bitte mehr Fotos ;-)

 
At 9:37 PM, June 21, 2006, Anonymous Anonymous said...

Hallo,
kam über einen Tipp von Anja auf Dein Schlangenerlebnis. Als Kochbegeisterte, die eigentlich alles ausprobiert, hätte ich sowohl Schlangenblut als auch -galle verschmäht.
Gruß aus Hamburg,
Claudia

 
At 10:37 PM, June 21, 2006, Anonymous Anonymous said...

Soul,

das ist ja ein Aptraum. Da spricht nicht nur die Vegetarierin in mir. Igitt! Erst ein Gemetzel und dann soll man das Vieh noch essen!

Bleib doch beim Gemüse. ;-)

 
At 10:17 PM, June 23, 2006, Blogger Unknown said...

Liebe Trixi,
erstmal einen schönen Gruß von Matthias B. aus HH. Hut ab vor Deinen Unternehmungen in Vietnam und Kompliment zu Deinem lustig geschriebenen und interessantem Blog!

Ich denke selber noch mit Abscheu an meinen Besuch in Vietnam zurück, wo ich feststellen musste, dass sich in den großen, auf den Tresen stehenden Gläsern unter einer trüben Flüssigkeit tote Reptilien schlängelten: SCHLANGENWEIN! Um so mehr ziehe ich den Hut vor Deiner todesmutigen Experimentierfreudigkeit.

 
At 7:40 PM, June 26, 2006, Anonymous Anonymous said...

Hallo Trixi,
ich bin total fasziniert von deinen exotischen Gaumenfreuden (ich wäre wohl vom Stuhl gekippt) und finde deine berichte total klasse. Viel Spass weiterhin und mal ehrlich, Hundefleisch muss nun wirklich nicht sein...
Viele Grüße von Eileen

 
At 10:18 PM, June 26, 2006, Anonymous Anonymous said...

RESPEKT!!!

 

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