Trixi in Vietnam

Thursday, June 29, 2006

30. Juni 06
Bevor Deutschland heute abend im Viertelfinale der WM auf Argentinien trifft, wollte ich euch doch gern wissen lassen, wie ich die WM bisher hier in Hanoi erlebt habe. Aus Deutschland erhalte ich dankbar regelmäßige "Lageberichte" und höre, wie toll die Stimmung bei euch ist. Da kann ich ruhig zugeben, dass ich schon etwas traurig bin, momentan nicht in der Heimat zu weilen; einfach nur des Erlebnisses wegen.

Aber auch Vietnam ist seit Wochen komplett im WM-Fieber. Schon vor Beginn des World Cup hingen überall Plakate mit den Spielzeiten, war viel über das Ereignis in der Zeitung zu lesen und wir Deutschen wurden gefragt, was um alles in der Welt wir denn gerade jetzt in Vietnam machen würden...
Hier ist der deutsche Fussball sehr bekannt und ich bin immer erstaunt, wenn mir Vietnamesen die Namen von Fussballern aus der deutschen Bundesliga nennen. Die kenn ich ja nicht mal!

Die Übertragung der "wichtigen" Spiele habe ich bislang immer mit Freunden zusammen geschaut. Zum Eröffnungsspiel waren wir im Goethe-Institut, wo es Freibier gab und das Spiel auf einer Grossbildleinwand auf dem Innenhof der Anlage übertragen wurde. Wenig hilfreich war da für mich allerdings die vietnamesische Moderation. Es war rappelvoll auf dem Gelände und alle - Vietnamesen wie Deutsche - unterstützten die Gastgebermannschaft. Sogar als es anfing zu regnen, hielten die meisten tapfer durch.

Beim Polen-Deutschlandspiel war ich dann auf mich allein gestellt, denn das Spiel begann erst um 2 am morgens. Aber ganz patriotisch hab ich mir zu der Zeit den Wecker gestellt, um mir die Begegnung im TV anzusehen. Als dann endlich das erlösende Tor für Deutschland kam und ich mich nur leise freuen konnte, um meine Mitbewohner nicht zu wecken, waren trotz der späten/frühen Stunde Leute draussen auf der Strasse zu hören, die kräftig für Deutschland jubelten.

Für das Achtelfinale Deutschland-Schweden letzte Woche sind wir einer Einladung der deutschen Botschaft gefolgt und konnten dort auf dem Gelände bei Grillfleisch und Freibier das Spiel verfolgen. Ein paar schwedische Fans waren auch da und haben ihr Team kräftig unterstützt, aber hat ja nix genützt! Die Stimmung war prima und so konnten wir wenigstens ein bisschen etwas von dem Gefühl bekommen, wie´s momentan im deutschen Lande ist.

Die anderen Spiele haben wir natürlich auch geschaut; meist in einer Kneipe oder der WG, wo´s dann natürlich immer besonders hoch her ging, wenn die Mannschaft eines/einer Mitbewohner(s)in spielte.
Und auch unsere Sprachkurs-Zeiten wurden an die WM angeglichen. Da die Liveübertragungen hier ja immer erst sehr spät abends sind, ist der morgendliche Beginn des Unterrichts kurzerhand nach hinten verlegt worden. So haben wir wenigstens ein paar Minuten mehr Zeit zum Ausschlafen, auch wenn das Tunier den Schlafrhythmus ja doch gehörig durcheinander bringt. Aber da geht´s euch in Deutschland ja momentan sicher nicht anders!
Nach der WM muss ich mich auf jeden Fall mal richtig ausschlafen. Aber so lange müssen wir halt einfach stark sein und durchhalten!

Zum heutigen Viertelfinale treffe ich mich nachher noch mit Freunden und wahrscheinlich geht es nochmal ins Goethe-Institut, wo die Begegnung auch wieder übertragen wird.
Und obwohl die meisten Leute hier Argentinien für sehr stark halten, gelten dem deutschen Fussballteam heute abend alle Sympathien! Also: auf ein gutes Spiel!
Hanoi und ich drücken die Daumen!

Wednesday, June 28, 2006


28. Juni 06
Auf unserer Fahrt durch die Ha Long Bucht konnten wir dann eine Umgebung wie im Bilderbuch sehen. Es war unbeschreiblich und einfach wunderschön. Die vielen unterschiedlichen, steilen "Berge" im Wasser bilden eine bizarre See-Landschaft.
Jedenfalls schipperten wir bei blauem Himmel und tollem Sonnenschein stundenlang durch die Bucht und genossen einfach nur die vielen schönen Eindrücke um uns herum.

Gegen 17 Uhr hatten wir die Möglichkeit vom Boot zu gehen und entweder Kayak zu fahren oder in der Bucht schwimmen zu gehen. Da es mal wieder unglaublich warm gewesen war, entschieden wir uns fürs Baden, was eine echte Wohltat war.
Allerdings waren wir Westler die Einzigen, die sich mit altmodischen Schwimmbewegungen etwas weiter ins tiefere Wasser vortrauten. Ich habe gehört, daß viele Vietnamesen angeblich nicht schwimmen können. Obwohl mir das angesichts der fast 1700 km Küstenlänge Vietnam`s schon sehr mysteriös erscheint.

Zurück an board konnten wir dann auch unsere Zimmer (insgesamt waren wir 12 Personen) für die Übernachtung auf dem Boot in Augenschein nehmen und welche Freude: zu unserer grossen Überraschung waren die Zimmer sehr luxuriös und komfortabel eingerichtet. Schöne Bambusmöbel und sogar ein Bad mit Dusche und WC auf jedem Zimmer. Damit hatten wir ja gar nicht gerechnet. Wer also mal die Gelegenheit bekommt, auf einem Boot zu nächtigen, sollte dies unbedingt nutzen; anstatt wie sonst im Hotel zu bleiben.

Zum Abendessen erreichte das Schiff dann auch die "Haltestelle" in der Bucht für die kommende Nacht. Um uns herum lagen natürlich noch weitere Boote vor Anker. Es war - im Gegensatz zum gewohnten Lärm in Hanoi - unglaublich ruhig und der Abend brachte eine angenehme Brise, so das man auch nach dem Abendessen noch gemütlich auf dem Oberdeck sitzen konnte.
Und auch wenn wir fern ab der nächsten Stadt waren, so gab es auch auf dem Boot die momentan allgegenwärtige WM-Stimmung und mit verschneitem Empfang konnten wir, zusammen mit der unglaublich netten und gastfreundlichen Crew, das abendliche Fussballspiel im TV verfolgen (auch wenn das Bild zeitweise so verzehrt war, daß man das Gefühl hatte, die Spieler würden immer 2 Bällen nachlaufen).

Die Nacht an Board verlief, was das Schaukeln des Kahns auf dem Wasser anging, erstaunlicherweise äusserst ruhig. Aber da wir unter Deck schliefen, hielt sich ein ständig leichter Dieselgeruch und eine stehende Wärme im Raum. Es war ein bisschen wie Schlafen neben einer Tankstelle. Daher sahen wir am nächsten Morgen beim Frühstück alle gleich verpennt bzw. fertig aus. Vielleicht hätte ich doch dem ersten Impuls folgen und in den Sonnenstühlen auf dem Oberdeck schlafen sollen...

Auf alle Fälle war der Aufenthalt auf dem Boot eine tolle Gelegenheit gewesen, die ganze Natur und Einzigartigkeit der Ha Long Bay ausgiebig auf sich wirken zu lassen...
Nach einer weiteren Möglichkeit zum Schwimmen - direkt vom Boot aus! - steuerten wir wieder unseren Ausgangshafen Ha Long City an, wo es am frühen Nachmittag zurück nach Hanoi ging, wo mir der Kontrast zwischen Stadt und Land natürlich zum gerade Erlebten besonders stark auffiel. Aber ich freute mich doch auch, wieder zurück in "meiner" Stadt zu sein.

Monday, June 26, 2006

26. Juni 06
Kaum zu glauben, aber heute bin ich schon genau seit 4 Wochen in Vietnam. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht und vor allem, wie schnell man sich an eine neue Umgebung gewöhnt und die gegebenen Umstände adaptiert.

Mein erster Ausflug ins Umland von Hanoi ist dagegen erst eine Woche her. Am vergangenen Wochenende waren wir drei Deutschen aus unserem Programm mit einem hiesigen Reiseveranstalter für zwei Tage in der Ha Long Bucht. Eine Tour dorthin ist sowieso ein Muss für jeden Vietnamurlaub, und da wir bislang noch gar nicht ausserhalb von Hanoi waren, wollten wir durch diese Fahrt auch gleich mal etwas von der Umgebung sehen.

Die Ha Long Bucht ist ca. 170 km von Hanoi entfernt und liegt am Ausläufer des Golfs von Tonking im Südchinesischen Meer. In der Bucht gibt es etwa 3000 Felsinseln, die aus dem Wasser ragen. Und einer Legende nach wurden die Inseln in der Bucht von einem riesigen Drachen geschaffen.

Unser Ausflug begann am Samstag (17.06.) früh mit einer schaukeligen 3,5 Stunden Fahrt in einem Minibus mit weiteren 15 Leuten (natürlich alles nur Touries). Als wir Hanoi hinter uns gelassen hatten, fuhren wir an endlosen Reisfeldern entlang. Nach der Ankunft in Ha Long City erwartete uns schon eine - auf alt gemachtes - Dschunke (Holzboot), welches unsere Behausung für die nächsten 24 Stunden sein sollte.

Nachdem unsere Geduld doch sehr auf die Probe gestellt wurde und wir noch ewig im Hafen festhockten, schipperten wir dann gegen 13 Uhr endlich der Bucht entgegen. Unser erster Halt war dann auch gleich eine Insel, und auf dem Programm stand, die beiden Tropfsteinhöhlen "Tien Cung" und "Dau Go" zu besuchen. Tapfer stapften wir also im Gänsemarsch (eine Reisegruppe nach der anderen) in der Mittagshitze zum Eingang der Höhle in der Vorfreude auf eine kühle Auszeit. Aber nix da: auch im Inneren war die Temperatur überraschenderweise gleichbleibend warm.

Tropfsteinhöhlen müssen hier der totale Renner sein, denn es war proppenvoll. Für meinen doch eher schlichten und schnörkellosen Geschmack war mir das Innere dann auch ein bisschen zu bunt beleuchtet. Allerdings war ich begeistert von einer Stelle, wo das Tageslicht durch ein Loch in der Aussenwand in die Höhle fiel und somit das Sonnenlicht einen tollen Kontrast bildete und es ein einmaliges Bild ergab.

Bei der zweiten Höhle streikte ich dann aber. Man konnte durch die Riesenöffnung in der Felswand schon von Aussen reinschauen und nur nochmal mit den Massen durchlaufen wollte ich dann nicht mehr. Also gings wieder zurück aufs Schiff und der beste Teil der Reise begann, denn jetzt fuhren wir richtig in die Bucht mit den vielen verschiedenförmigen Inseln rein...

Monday, June 19, 2006

21. Juni 06
Nachdem ich in der letzten Woche wieder mächtig mit dem vietnamesischen Internet, einer heftigen Magenverstimmung sowie einer Erkältung zu kämpfen hatte, geht es mir jetzt wieder prima und ich kann mich endlich wieder meinem Blogg widmen.
Ich hoffe, im Fussball-verrückten Deutschland gehts euch allen auch gut und ihr geniesst die, sicherlich einmalige und tolle Stimmung!

Meine bereits erwähnten Magenprobleme Anfang letzter Woche haben mich ziemlich ausgeknockt, aber ich glaub, ich war daran auch ein bisschen selbst Schuld...
Das Essen hier in Vietnam ist insgesamt ein absoluter Traum. Die Speisen sind abwechslungsreich, immer lecker mit frischen Kräutern und scharfen Sossen gewürzt und auch richtig was fürs Auge. Und als Überbleibsel aus der franz. Kolonialzeit gibt es auch den Luxus von frischem Brot, tollem Kuchen und anderen Leckereien.

Aber nach gut 2 Wochen haben wir Deutschen uns dann auch fit und Vietnam-erfahren genug gefühlt, mal was Exotisches auszuprobieren und wollten Schlange essen gehen. Von unserem Sprachlehrer bekamen wir den Tipp für ein bekanntes Schlangen-Restaurant etwas ausserhalb von Hanoi, in Le Mat. Voller Vorfreude fuhren wir da am vergangenen Sonntag zur besten Essenszeit hin, nachdem wir uns seelisch und moralisch schon auf den Speiseplan eingestellt hatten.

Zu Anfang lief auch alles prima, denn im Restaurant gab es nur ein Gericht: Schlange. Somit waren zumindest schon eventuelle Sprachschwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Wir entschieden uns für eine Kobra, denn das Fleisch sollte am besten schmecken. Pro Person kostete der Spass 10 $, was für vietnamesische Verhältnisse eine Riesensumme ist. Aber was tut man nicht alles für eine Spezialität.

Auf das, was dann kam war ich allerdings nicht vorbereitet. Der gute Hilfskellner brachte unser zukünftiges Abendessen direkt an unseren Tisch. Und zwar noch lebend! Ich hab zwar keine Angst vor Schlangen, war aber doch überrascht, das sich windende Tier direkt vor der Nase zu haben. Zu meinem Horror kam hinzu, das die Schlange genau neben uns getötet wurde. Ich konnte gar nicht hinschauen. Allerdings kam´s dann noch besser, als wir nämlich je ein kleines Likörglas mit einer roten und einer grünen Flüssigkeit drin an den Tisch bekamen.

Ohne weiteres Nachfragen wussten wir, was darin war: frisches Blut und Gallensaft der Schlange. Das gilt hier als Besonderheit und soll eine "belebende" Wirkung haben. Darauf konnte ich getrost verzichten und schob das Glas gleich weit ausserhalb meiner Reichweiter. Abschliessend - und diesen Anblick werde ich nie vergessen - brachte uns der Kellner einen Teller, worauf das noch schlagende Herz der Kobra lag. Er sah uns fragend an, wer das Herz zusammen mit dem Blut trinken wollte. Ich muss wohl schon sehr blass um die Nase ausgesehen haben, denn mein Glässchen peilte er gar nicht an und ich blieb verschont.

Voller Bewunderung aber ohne jede Spur von Neid kann ich sagen, daß nur Bettina aus unserer Gruppe so mutig war, nach dieser Vorstellung wirklich das Blut zu trinken (an die grüne Galle wollte aber niemand ran). Auch wenn unser narzistischer Kellner regelmäßig an unseren Tisch zurückkam und uns immer wieder die kleinen Gläser zuschob, um uns zum Trinken anzuhalten.
Damit war ich schon vorm Essen satt!

Und was das Schlagenfleisch und die einzelnen Gerichte (6) an sich anging, waren wir dann doch etwas enttäuscht. Das Fleisch schmeckte nach nichts Besonderem und es war nur mässig gewürzt. Ich knabberte dafür ein bisschen mehr am Brot rum. Ich meine, für mich war an dem Abend sowieso egal, was bei mir auf dem Teller lag, weil ich schon von der Zeremonie vorher traumatisiert war.
(Komischerweise konnte ich dann aber die Schlangen-Chips [s. Bild] mit dem typischen Muster der Haut ohne weiteres verputzen, wo meine beiden Mitstreiterinnen streikten.)

Mit dem Ausprobieren von anderen Spezialitäten, wie z.B. Hundefleisch werde ich aber auf jeden Fall noch eine laaaange Zeit warten....

Und damit ihr keine Alpträume von meiner Essenserfahrung bekommt, hier noch ein Bild vom schönsten Tor (Khue Van Cac Mon) im Literaturtempel, den ich mir vor ein paar Tagen angesehen hab.
Der "Van Mieu" ist die grösste Pagode (Tempel) Hanois und eines der Wahrzeichen. Es besteht aus fünf verschiedenen Höfen. Dort wurde schon vor knapp 1000 Jahren unterrichtet. U.a. lehrte Konfuzius an dieser "ersten Universität in Vietnam".

Monday, June 12, 2006



12. Juni 2006
Die Mittagshitze und das aufkommende Gewitter haben mich heute frühzeitig ins Haus getrieben.

Anbei noch zwei neue Fotos.
Zum einen ist das schöne, koloniale Gebäude die Oper von Hanoi. Die ersten Tage führte mich mein Schulweg immer dort vorbei.

Und auf dem 2. Bild seht ihr mich ;o) in einer Garküche auf der Strasse sitzen. Dort gibts die traditionelle Pho zu essen. Diese Suppe enthält Nudeln und wird entweder mit Rind- oder Hühnerfleisch gegessen. Dazu bekommt man viele, frische Kräuter und scharfe Sossen, mit der man die Brühe würzen kann. In diesen einfachen Küchen am Strassenrand hockt man auf Mini-Plastikstühlchen; und dort isst man einfach am besten.

Tuesday, June 06, 2006

09. Juni 06
Da mich das vietnamesische Netz die letzten Tage nicht online gelassen hat, gibt´s erst heute wieder Neuigkeiten von mir.
(Foto anbei von der Altstadt in Hanoi)

Kaum zu glauben wie schnell die ersten 1,5 Wochen vergangen sind. Und ich wage zu behaupten, dass ich mich bereits ganz gut eingelebt habe. Ich weiss schon in etwa, wo welche Strasse ist. Ein paar nette Kneipen und Cafés kenn ich auch schon, und ich hab sogar schon über Preise verhandelt (auch wenn ich da am Ende bestimmt immer noch überteuert rauskomme).

Und noch etwas hat sich im Vergleich zur letzten Woche geändert, nämlich das Wetter. Wir haben jetzt ca. 40°C im Schatten und man hält´s kaum aus. Innerhalb der Gebäude lässt es sich mit den Klimaanlagen gut aushalten. Diese sind im Gegensatz zu anderen Ländern wie den USA auch nicht ganz so bitter-kalt eingestellt, sondern sehr angenehm (Ausnahme hier: amerikanische Hotels!). Aber draussen auf der Strasse hocken die Leute nur im Schatten und nutzen Fächer, vor allem um die Mittagszeit herum. Nur die Touris sieht man auch bei der grössten Hitze immer durch die Gegend stapfen.

Ich muss mich da aber auch noch mit zuzählen, da ich noch immer nix fahrbares habe. Erklärend ist hinzuzufügen, dass ich noch nie Moped (was anderes kommt hier zum Fahren für mich nicht in Frage. ALLE fahren hier Moped!) gefahren bin. Und für einen Moped-Fahranfänger wie mich, ist das die Hölle. Allein beim dran Denken wird mir noch wärmer, als es schon ist. Wie schon mal gesagt, ist der Strassenverkehr in Vietnam der absolute Wahnsinn! Ich habe immer noch nicht rausbekommen, ob hier offiziell Links- oder Rechtsverkehr herrscht. Jeder fährt wie und wann er will. Will man z.B. ganz einfach rechts abbiegen, kann es jederzeit sein, das einem jemand genau an der Ecke entgegenkommt - auf gleicher Höhe. Auch Einbahnstrassen halten nicht das, was sie für uns in Deutschland versprechen. Jeder fährt so wie er will.

Ampeln gibts (wenn auch nur sehr wenig für so ein riesiges Verkehrsaufkommen wie in Hanoi), aber die gelten bestenfalls als Empfehlung. Alles geht kreuz und quer und auch die mutigen Radfahrer und wenigen Autofahrer sind immer mit dabei. Immer wenn ich hier im Feierabendverkehr an einer Ampel stehe und es wird grün, habe ich das Gefühl, als ob in Deutschland eine komplette Kleinstadt auf einem Mal mit Mopeds auf mich zukommen würde.

Dies vorausgeschickt bin ich dennoch wild entschlossen, mobil zu werden. Daher leiht mir eine Freundin seit einigen Tagen mittags ihren Roller und ich drehe hier in einer Seitengasse meine Runden. Die Vietnamesen scheine ich mit meinem Übungen gut zu unterhalten. Jedenfalls hab ich immer Publikum, die dann an der Seite stehen, kluge Tipps auf Vietnamesisch geben und sich offensichtlich prima amüsieren. Da Fahren erfordert nun keine grosse logistische Leistung, aber etwas Können und Praxis sind schon gefragt. Okay, gestern hab ich einen Eimer umgefahren (der stand aber auch echt doof rum) und heute hab ich einen Kleinbus gestreift (aber nur ganz sacht!), weil ich die Bremse nicht so schnell finden konnte. Wie ihr seht, braucht es noch eine Weile, aber ich bin guten Mutes! Und bitte keine Kommentare! :o)

Der Sprachkurs hält uns weiterhin vormittags beschäftigt, aber so ganz hab ich mich auch jetzt, nach der 2. Woche, noch nicht mit der Startzeit von 8 Uhr morgens angefreundet. Die Pause mit vietnamesischem, starkem Kaffee, der typisch süssen Milch und Eiswürfel dazu im Café neben dem Sprachinstitut sind für mich immer der erste Lichtblick am Morgen. Aber wenigstens habe ich es jetzt nicht mehr so weit zum Unterricht, denn ich habe eine neue Bleibe gefunden, die nicht weit von der Schule entfernt ist.

Das mit der Wohnung hat sich bei mir doch schneller geklärt als erwartet. Ich habe ein Zimmer in einem Haus im "Hoan Kiem District" von einer Französin übernommen, die zusammen mit uns Vietnamesisch lernt. Die Ecke hier ist sehr zentral, aber weg von der Altstadt, wo die Touri-Hochburg ist. Es ist eine kleine Seitengasse, die von der Pho Hué abgeht. Meine neue Adresse für die nächste Zeit ist somit: 26, Ngo Hué.

Und nun bekomme ich mit meinen 30 Jahren auch erstmals die Gelegenheit, in einer WG zu leben. Ich teile das Haus zusammen mit einem Kanadier, einem Franzosen (der anscheinend sehr gern und sehr laut französischsprachige Filme schaut, worin die Leute immer schluchzend rumschreien und weinen) und einer Koreanerin.

Es gibt zum Glück eine LAN-Verbindung im Haus, so dass ich ganz bequem vom Zimmer aus online gehen kann. Ansonsten haben wir noch eine gemeinsamenEingangsbereich, der nachts als Unterstellplatz für die Mopeds genutzt wird und ansonsten den TV-Bereich und die Küche beinhaltet. Und es gibt eine grosse Dachterasse, aber da kann man tagsüber nicht rauf, weil man das Gefühl hat, über brennende Kohlen zu gehen. Aber es ist perfekt für gemütliches Sitzen am Abend.

Appropo Abend: die Zeit tickt hier eh ganz anders. Wenn ich um kurz vor 8 am noch verschlafen aus dem Haus gehe, hat man den Eindruck, das alle Vietnamesen schon stundenlang unterwegs sind. Der Morgen geht hier wirklich für viele schon um 5 am los. Und abends wirds dann auch relativ früh dunkel (gegen 6:30 pm ist es finster). Ich glaube, ich brauche noch etwas, bis ich mich an diesen Rhythmus gewöhnt habe.

Bevor ich mich jetzt ins Wochenende verabschiede, möchte ich mich noch ganz herzlich bei denen bedanken, die mir bereits fleissig geschrieben haben. Ich freu mich immer sehr, von euch zu hören und werd auch alle mails beantworten!
Ich mach mich jetzt gleich auf den Weg machen und einige Freunde treffen. Wir wollen später natürlich das WM-Fussi-Eröffnungsspiel schauen!

Sunday, June 04, 2006

04. Juni 2006
Es ist Sonntag, die Sonne scheint und draussen haelt man es jetzt in der Mittagshitze nicht aus. Da hock ich mich doch gleich noch kurz an den PC und schreib ein paar Zeilen. Mein erstes Wochenende in Hanoi ist leider schon fast wieder rum.

Am Freitag abend haben wir Maedels uns ins Hanoier Nachtleben gestuertzt - und waren doch etwas enttaeuscht. Es gibt zwar einige nette Bars und Kneipen (da sind vorwiegend "tays", sprich Westler - Touris und Expats zu treffen), aber wegen der hiesigen Sperrstunde macht hier ganz viel schon um 11 pm oder Mitternacht zu.
Ueber einige Leute wurden wir dann doch noch ueber andere Locations informiert, und es ist schoen zu wissen, das man doch auch mal laenger als nach Mitternacht ausgehen kann. Vor allem in Anbetracht dessen, dass ich ja doch erstmal ne zeitlang hier verweilen werde.

Gestern, am Samstag, wollten wir dann den grossen Dong Xuan Markt besuchen. Der Markt ist zwar riesig und im ersten Augenblick ist man von der Auswahl an Stoffen, Schuhen, Klamotten, Taschen usw. wie erschlagen.
Mein erstes Ziel waren die Schuhregale, wo es schon wie wild glitzerte und funkelte, weils da Schlappen in allen moeglichen und unmoeglichen Farben und Fertigungen gibt.
Ich werd in den naechsten Monaten wohl einen mega-Verschleiss an Flip-Flopps haben. Fuer lange Touren auf Asphalt sind diese Dinger nicht so wirklich konzipiert. Leider gabs da aber nix in meiner Schuhgroesse (wie erwartet), und die Maennermodelle sagten mir auch nicht zu. Nach kurzen Hosen zu suchen, war dann auch nur minimaler Fun, weil ich mit meiner europaeischen Figur doch nicht so ganz in diese Kindergroessen passe. Ich werde mich in der naechsten Zeit wohl doch nach Stoffen und einem Schneider umschauen, damit ich noch ein paar Klamotten fuer mich bekomme.

Wie auch immer. Nach dieser unerfolgreichen Shoppingtour beschlossen wir, uns nachmittags den Luxus zu geben und schwimmen zu gehen. Da ein Maedel aus unserer Runde nicht so gute Erfahrungen mit oeffentlichen Baedern gemacht hatte, wollten wir in eins der grossen Hotels gehen, wo man auch als nicht-Gast (gegen Gebuehr versteht sich) den Pool nutzen kann.
Im "Melia Hotel" wurden wir dann fuendig und konnten den Aussenpool auf der Dachterasse mit Blick ueber Hanoi geniessen. Das war so genial und entspannend - wie Urlaub!

Am Abend kam es dann zu einem Platzregen mit Gewitter, was zwar nicht wirkliche Kuehle brachte, aber die Luft war etwas angenehmer als am Tag.
Tagsueber ist es okay, wenn der Himmel bedeckt ist. Die Luft ist dann zwar warm und schwuel, aber man kommt zurecht. Sobald aber die Wolken aufbrechen und die Sonne rauskommt, haelt man's nicht mehr aus und zu sagen, das man dann sehr schwitzt ist eine blanke Untertreibung.

Friday, June 02, 2006

02. Juni 2006
Freitag mittag, 12 Uhr - es ist Wochenende! Klingt das nicht genial?
Nach den ersten beiden Tagen Vietnamesisch-Sprachkurs steht jetzt erstmal wieder ein bisschen Erholung an. Pfingsten, was ja zur Zeit in Deutschland ansteht, gibts hier nicht. Aber auf diesem Weg wuensche ich euch allen ein schoenes und verlaengertes Wochenende!

Gestern morgen zur nachtschlafenden Zeit von halb acht morgens machten wir uns, mit einem Stadtplan bewaffnet, auf den Weg zum Sprachinstitut, wo wir waehrend der naechsten sechs Wochen jeweils werktags vor- oder nachmittags Vietnamesischunterricht bekommen. Dort werden wir, aufbauend auf die Phonetik- und Vokabelkenntnisse aus dem Sprachkurs in Berlin, weiterhin in dieser doch ziemlich vertrackten Sprache unterrichtet.

Natuerlich mussten wir erfahren, dass wir nach 3 Wochen Pause in Deutschland viel vergessen bzw. die Toene in der letzten Zeit doch sehr vernachlaessigt haben. Dies wird daher nun auch im Fokus fuer die ersten Tage stehen.
Unser Unterrichtsraum ist eher ne kleine 3x3m Butze (ohne Fenster, aber mit "schicken" Glassbausteinen). Erfreulicherweise gibt es auch eine Klimaanlage, die wir sehnlichst erwarten, wenn wir nach dem 40 min. Fussmarsch angekommen sind.

Ab naechster Woche wollen wir dann aber einen fahrbaren Untersatz besorgen, damit man mobil ist. Sonst ist man hier bei der Hitze einfach aufgeschmissen und da hier wirklich jeder mit dem Moped/Rad (wenige Autos) unterwegs ist, wollen wir uns auch ins Getuemmel werfen.