Trixi in Vietnam

Tuesday, October 14, 2008

14. Oktober 2008
Heute Abend war ich, zusammen mit anderen Kollegen aus der Firma, bei unserer Mitarbeiterin Nhung zur Hochzeitsfeier eingeladen.
Hochzeiten laufen hier in Vietnam ganz anders ab als das, was wir bezüglich dieser Feierlichkeiten in Deutschland gewohnt sind. Da gibt es kein traditionelles und stundenlanges Zusammensitzen mit Familie & guten Freunden (im kleinen oder grösseren Kreis) wo getanzt wird, Unterhaltungsspiele mit dem Paar gemacht und eine Hochzeitszeitung vorgelesen wird; und das Ganze gern mal bis in die späten Abend- bzw. frühen Morgenstunden reicht.

In Vietnam wird etwas anders gehochzeitet: die Gäste kommen im Restaurant an, entweder in der Gruppe oder die (gefühlten) Hundertschaften sind schon da. Dann überreicht man das Geschenk (wobei es sich fast ausschliesslich um Geldpräsente handelt) entweder an den Bräutigam oder die Braut, abhängig davon, von wem man eingeladen ist. Anschliessend gibt es für die Massen an Menschen massenhaft Essen. Und nach ca. einer Stunde ist dann alles vorbei. Man bedankt und verabschiedet sich und geht. Zuerst kam mir das ein bisschen seltsam vor, aber hey: andere Länder, andere Sitten und Gebräuche.

Bei der Veranstaltung heute Abend kam dann noch ein Schmankerl für mich dazu. Ihr wollte mit anderen Kolleginnen direkt vom Büro aus nach der Arbeit zum Hochzeitsessen fahren. Die Einladung mit der konkreten Adresse hatte ich schon, aber da ich mich ja auch nach mehr als 2 Jahren in Hanoi weniger nach Strassennamen und vorwiegend nach Orientierungspunkten richte (a lá: in der Nähe der Hauptpost, gegenüber vom Restaurant XY) musste ich gleich mal zugeben, das ich mich im Stadtteil Dong Da (südlich vom Hai Ba Trung District) kaum auskenne. Meine Kollegen waren also vorgewarnt, mich im Schlepptau zu halten und bei der Hinfahrt immer schön nach mir & meinem Moped Ausschau zu halten.

Aber mit unserer Abfahrzeit an der Klinik um kurz vor 6 pm kamen wir natürlich auch gleich in den schönsten Feierabendverkehr hinein. Zuerst ging aber alles gut: ich blieb meinen Wegweisern auf den Fersen, aber beim Siemens-Tower mit mehreren Baustellen und grossen Kreuzungen, wo ich dann wohl mal links, rechts, geradeaus oder auch rückwärts fahren hätte müssen. Da war dann niemand mehr zu sehen und ich bog einfach irgendwo ab, stellte das Moped aus und wartete, dass jemand per Telefon nach mir suchte. Dem war dann auch so und natürlich war ich falsch (hatte ich auch nicht anders erwartet, aber ohne Richtungsangaben ist das auch kein Kunststück). Ich fuhr dann zurück zu einem mir bekannten Treffpunkt und als dann meine Mädels aus der Abteilung ebenfalls ankamen, konnte ich sehen, das sie ebenso aus einer falschen Richtung kamen, sich also genauso verfahren hatten. Nur sieht das bei denen dann eleganter aus – da wird mitten auf der Strasse gewendet und in die andere Richtung gefahren, während ich als Ausländerin einfach nur verwirrt und hilflos in der Gegend rumschaue.

Logischerweise hatte ich nun erwartet, dass wir nach diesem Falsch-Fahren & Sich-Verlieren geschlossen in der Gruppe nach dem Endziel Ausschau halten würden (merke, ich hatte noch immer keine Ahnung wohin wir genau wollten!). Aber nein!
Gemäss dem Motto „jeder kämpft für sich allein“ brausten meine Kolleginnen wieder davon und waren innerhalb von fünf Sekunden in den Mopedmassen verschwunden. Ich fuhr tapfer und einfach auf gut Glück noch ein bisschen weiter, aber als ich nach ein paar Kreuzungen und trotz eines guten Orientierungssinns, gar keinen blassen Schimmer mehr hatte, wo ich war, rief ich leicht entnervt die Damen an, die mich aufforderten, erneut zurück zu fahren. Und wirklich! Nach 500 m wurde ich von einer kleinen Gruppe hüpfender, winkender und laut kreischender Frauen, meiner Kollegen, grinsend in Empfang genommen. Die Erkenntnis dieses Herumirrens: ich weiss jetzt, wo sich die Pham Ngoc Tach Strasse in Hanoi befindet…

Und weil ich grad am vergangenen Wochenende zu einem Wiedersehen mit einer sehr guten Freundin in Bangkok war, hier nebenstehend noch ein Bild vom Wat Arun Tempel (in der Nähe des Königspalastes) bei Nacht. Genau vor dieser Kulisse und mit dem Blick auf’s Wat Arun haben wir zu Abend gegessen.
Das Wochenende war super. Vielen Dank, Betti & bis zum nächsten Mal!

Monday, September 15, 2008

15. September 2008
Nach einem wundervollen Urlaub in Südindien, in Kerala, voll mit vielen eindrucksvollen, unterhaltsamen und lustigen Erlebnissen wie z.B.:

- Menschen: Ein zustimmendes Kopfnicken wie bei uns in Deutschland wird durch ein Kopfwackeln angezeigt
- Kunst: Mit sehr! viel Schminke können sich Männer in komplett andere Wesen verwandeln.
- Trinken: „Shark Tooth“ (43%ige indische Wodkamarke), lustiger als das Trinken dieses Wassers war dann aber doch der Erwerb. Der Schnapsladen war wie eine Festung gesichert, der Ladentisch nur von einer Seite und durch Gitterstäbe vom Verkäufer getrennt ersichtlich. Man bestellt dann das gewünschte Getränk, bekommt es in Zeitungspapier eingepackt ausgehändigt, bezahlt und geht dann leicht beschämt dreinblickend davon.
- Essen:„Sadya“ = Bananenblatt (als Essensgrundlage) für den Reis mit vielen Sossen zum alles mit der Hand essen, traditionell zum Onam-Fest (vergleichbar mit unserem Erntedank)
- Landschaft: Sonnenuntergang mit einem Himmelsbild zum Explodieren
-Natur: Glühwürmchen (und natürlich Mücken en masse) bei Anbruch der Dämmerung
- Wellness: Aryuveda-Massage mit abschliessendem in einer Holzbox-Sitzen (incl. einem Guckloch für den Kopf)
- Zeitvertreib: Unser Bollywood-Filmkarrierestart (als Statisten)
- Tiere: Elefanten sehen in ca. 5 km Entfernung auch nicht grösser aus als ein Stein in der Landschaft. Gute Augen sind daher von Vorteil!
- Wetter: Alle möglichen verschiedenen Arten von Regen miterlebt zu haben (und dennoch nicht im Ansatz depressiv zu werden)
- Männer: Die Erkenntnis, das wirklich 99% aller Männer in Südindien einen Schnurrbart tragen (weils dort anscheinend Mode ist, also kein religiöser Grund oder so ;) und die Begegnungen mit dem „First Ranger“, „Shaft“ und dem „Zirkuspferdchen“ (die einzelnen Erklärungen dazu geb’ ich dann mal im direkten Gespräch ab, dann ist’s unterhaltsamer)
- Küche: Curry und Kokosnussmilch/-oel in allen Variationen
- Getier: Auch in Indien können Kakerlaken fliegen (wie in Vietnam, was ich auf überraschende Art & Weise auch lernen musste)
- Umgebung: So wie der Reis vor allem bei der Landbevölkerung hier in Vietnam noch immer den Lebensalltag bestimmt, ist es dort im Süden Indiens das Wasser, besonders in den Gebieten der wunderschönen „Backwaters“
- Tourismus: Wenn Nebensaison ist, erhält man als reisender Gast oft mehr Service und Unterstützung als einem lieb und/oder Recht ist. Die Gabel durfte ich zumindest beim Essen noch selbst zum Mund führen…
- Für weitere Interessenten: Mittwochs ist immer Kuhmarkt in der Nähe von Thekkady und ein Elefant kostet umgerechnet soviel wie bei uns eine Arbeitsgerät in der Landwirtschaft, was ein guter Vergleich ist, denn die Tiere werden in Indien u.a. als Nutztiere und zur Hilfe bei der Landwirtschaft gehalten.

bin ich seit gestern wohlbehalten, erfüllt von all den Eindrücken und sehr gut erholt wieder zurück in Hanoi.
Und gleich pünktlich zu meiner Rückkehr wurde gestern auch das Fullmoon-Festival gefeiert. Es gab wie immer seit Wochen die Mondkuchen zu kaufen. Als Highlight in diesem Jahr kam aber für mich dazu, das ich erstmals das Spektakel am Abend hier bei mir in der Nähe vom Wohnhaus mitbekommen habe. Da waren rund um den Westlake Menschenmassen unterwegs um zum Feiertag und in Gedenken der Ahnen, unzählige Papierlaternen (die sahen ungelogen wie megagrosse Kondome oder Tüten aus, mit in Öl getränkten Lappen am unteren Ende, die angezündet und dann zum Fliegen losgelassen wurden). Es waren Hunderte dieser Laternen am Himmel zu sehen und hier am Westlake konnte ich das komplette Ufer überblicken und hatte einen tollen Blick.

Sunday, August 24, 2008

24. August 2008
Ich komme gerade vom Laufen am Westlake zurück, und das war heute wieder Unterhaltung pur. Wenn man die Dang Thai Mai Strasse ganz bis runter zum See geht, kann man genau am Wasser entlang laufen. Da stehen dort jeden Abend Moped neben Moped mit den verliebten Jugendlichen drauf und drum herum; es gibt kleine Cafes und Buden direkt am Wasserufer, ältere Damen die sich mit Hilfe des Hula-Hub-Reifens fit halten, aktive Angler (wobei ich wirklich nicht wissen möchte, was die da alles rausholen), Spaziergänger und – wenn mir danach ist, dann lauf auch ich da meine Runden. Man hat einen schönen Blick übers Wasser, mit der Stadt und den Lichtern und es ist relativ ruhig.

Heute aber tobten sich ein paar Heissporne auf ihren Mopeds aus, indem sie beim beschleunigten Fahren auf den langen, geraden Strecken der Strasse die Vorderräder so hochrissen, das nur noch das Hinterrad Bodenhaftung hatte und das Nummernschild schön auf dem Asphalt kratzte. Umrahmt wurde die ganze Kulisse: Rechts mit staunenden jüngeren Teens und Kids, die bewundernd den Fahrkünsten der Grossen zuschauten und zur Linken, mit den von 19-20 Uhr turnenden Frauen, die bei kreischend lauter, aufgepeppter 80ger-Jahre Musik den Anweisungen einer Vorturnerin folgten.
Muss man gesehen haben, denn nur das Gesamtkunstwerk ergab dieses einmalige „nur in Vietnam“ Bild.
Beste Sonntagsgrüsse aus Hanoi!

Tuesday, July 22, 2008

22. Juli 2008
Woran man erkennen kann, das wir den vietnamesischen Sommer jetzt auch offiziell als solchen bezeichnen können? Dafür ist Phantasie gefragt: Stellt euch einfach vor, euch würde jemand beim Gehen, Stehen und/oder Fahrrad-/Mopedfahren permanent mit einem Fön heisse Luft ins Gesicht (und natürlich auch auf den Rest des Körpers) pusten.
So ist der „gefühlte“ Sommer hier!

Noch bis vor 2 Tagen war der Sommer 2008 hier in Hanoi sehr verregnet. Pünktlich zum Feierabend zogen täglich fette Gewitter- und Regenwolken auf und meist schaffte ich es nicht mehr VOR dem Wolkenbruch heim. Somit musste ich mich dann zwischen folgenden Optionen entscheiden: 1) länger im Büro bleiben, 2) Schuhe aus und die, meist in 20 min. komplett überfluteten Strassen und Gehwege der Innenstadt, entlang waten oder 3) nach 1 Stunde geduldiger Wartezeit, fluchend und schnaufend den fetzigen Regenmantel überwerfen und widerwillig im strömenden Regen mit dem Moped heimfahren. Unfreiwillig kam ich meist mit Option 3 zu Hause – pitschnass durchtränkt von den Regenmassen – an.

Tuesday, May 27, 2008

Laos Bilder - Mai 2008

Der Kingsdu Wasserfall (ca. 30 km von Luang Prabang entfernt). Dort sind wir an einem der Tage mit dem Rad hingefahren. Schoen bei Mittagssonne los und auf der ganzen Strecke hin gab's nicht einen Baum oder anderen Schattenplatz.
Als wir ankamen, war ich mir sicher, das ich einen Sonnenstich hab...
Aber dann der Wasserfall und die kleinen "Pools" (siehe Foto) wo man drin baden konnte. Herrlich!









Ausflug zur "1000 Buddha Hoehle"
Die Bootsausfahrt auf dem Mekong zur Hoehle war wunderschoen, denn hielt galt "der Weg ist das Ziel". Die Hoehle mit den Buddhafiguren fand ich dann eher unspektakulaer.







schwimmende Tankstelle
Tja, wenn sich alles im, auf und ums Wasser am Mekong abspielt dann braucht man auch schwimmende Tankstellen um die Boote auf dem Fluss einfacher betanken zu koennen.





im Elefantencamp
Einen Tag haben wir genutzt um einen Ausflug in ein Elefantencamp zu machen. Das ist eher ein "Pflegeheim" fuer mishandelte Elefanten, die dort im Dschungel frei leben, aber auf menschliche Hilfe angewiesen sind, weil sie allein nicht ueberleben koennten (aufgrund frueherer Verletzungen).
Wir konnten die Tiere fuettern und sogar eine Dschungeltour auf den Elefanten machen.

27. Mai 2008
Nachdem der Mai 2008 auch schon fast wieder zu Ende ist, wollte ich einen kurzen Monatsrückblick geben und berichten, wie es mir in den letzten Wochen ergangen ist.

Gleich Anfang des Monats bin ich ja eine knappe Woche in Laos gewesen. Zum ersten Mal überhaupt. Ich wollte immer schon mal dorthin fahren, aber es hatte bisher zeitlich nicht geklappt. Und jetzt die Tage dort bin ich auch nicht weiter rumgereist, sondern war nur in Luang Prabang (nördlich der Hauptstadt Vientiane). Die Stadt ist wunderschön, überschaubar in der Grösse, direkt am Mekong gelegen, umgeben von üppiger Landschaft – und einfach ein Muss für jeden Laos-Reisenden.
Viele Leute sagen, das das buddhistische Land noch mal gut „10 Jahre hinter Vietnam zurück ist“, was den Entwicklungsstand angeht und an vielen Ecken stimmt das auch, aber ich habe jetzt wirklich nur den (sehr limitierten) Eindruck eines Touristen bekommen und habe meine Zeit in den Cafes, verschiedenen Pagoden und bei unseren Ausflügen einfach nur genossen. Im Anschluss an den Blog hier, stelle ich noch ein paar Fotos meines Laos-Urlaubs ein, damit ihr einen Mini-Eindruck bekommt, wie schön und vielseitig dieser Flecken Erde ist. Und wie gesagt, ich hab ausser Luang Prabang und die nähere Umgebung nix weiter gesehen…

Zurück in Hanoi war und bin ich gut mit meinem neuen Job bei der International SOS beschäftigt. Ich lerne noch immer viele neue Inhalte und Aspekte meines Aufgabenbereichs kennen und den Abschluss meiner Einarbeitung bildet dann mein Training in Singapore Ende Juni. Und dann bin ich hoffentlich fit, um unserem Kundenstamm hier in Hanoi und Nordvietnam die Klinik und alles was noch dazu gehört näher zu bringen.
Teil meiner Aufgabe im Marketing ist es, bei Veranstaltungen, bei der die Klinik mit einem Erste-Hilfe-Wagen vor Ort ist (für gesundheitliche Notfälle, aber auch für Promotionen) ebenfalls präsent zu sein und ggf. über SOS und unsere Produkte zu sprechen. Aber noch viel wichtiger ist es überhaupt, mein Gesicht zu zeigen, mich unters Volk zu mischen und dann halt zu „networken“.

Da ist es wirklich ganz hilfreich, das ich nun schon seit 2 Jahren (Himmel!) in Hanoi bin und inzwischen auch einige Leute kenne. Somit sind dann solche Events und Veranstaltungen zwar schon beruflich (Einladungen auf Drinks muss ich dann doch auf hinterher verschieben), aber es ist durchaus auch Teil meiner sozialen Freizeit.
In den Fotos nebenbei seht ihr beispielsweise unseren Stand beim letzten AusCham (Australian Chamber of Commerce) Nationalfeiertag. Naja, auf dem Foto hier neben (zur Erinnerung: ich bin die am Rand ganz rechts) sehe ich nicht wirklich produktiv aus, aber auch nur weil ich grad mein indisches Essen geniesse (in einer klitzekleinen Pause versteht sich).

Seit knapp einer Woche hält der Hanoier Sommer auch wieder Einzug. Puhhh, und da wir grad mal Ende Mai haben, sind alle in böser Vorahnung: es wird noch besser/schlimmer. Wir haben jetzt zwar (lt. Vietnamesischer Zeitung) schon 40°C aber es wird erfahrungsgemäss im Juni erst richtig heiss. Das heisst, wir dürfen uns noch auf einiges gefasst machen. Aber bislang konnten wir uns wirklich nicht beschweren. Wir hatten einen sehr netten und angenehmen Frühling: ich konnte immer noch schön mit dem Rad fahren (das ist jetzt definitiv vorbei, denn ich will ja nicht schon morgens schweissüberströmt ins Büro kommen) und das nebenan ist zum Beispiel der Blick von meinem Balkon, wo ich bei schönem Wetter richtig nett sitzen und lesen konnte (auch das ist ab jetzt ohne Klimaanlage oder Ventilator nicht mehr möglich).

PS. Auf konkrete Nachfrage (Hallo Karina!) vom letzten Blog-Eintrag, ist hier jetzt noch meine aktuelle email Adresse, unter der ich erreichbar bin und die ich auch regelmässig checke: seebertrixi@gmail.com

Wednesday, April 09, 2008

09. April 2008
Nachdem ich mich nun wieder eine Ewigkeit nicht gemeldet habe, komme ich heute endlich dazu, meinen Blog mal wieder auf den neuesten Stand zu bringen.
Es ist viel passiert in den vergangenen Wochen und Monaten seit ich das letzte Mal berichtet habe. Und davon werd ich mal kurz erzählen:

Ende Januar habe ich von meinem Arbeitgeber, dem Online-Reiseunternehmen auf Anfrage! erfahren, dass die Verlängerung meines Jahresvertrages doch nicht, wie vereinbart, möglich wäre und ich somit Anfang März nicht länger bei iViVu tätig sein könnte.
Was die Kommunikation mit dem Management in dieser Zeit anging, war es für mich ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Aber auch insgesamt war ich die letzten Monate mehr gestresst als happy im Job gewesen.

Wir hatten einen neuen Unternehmens-Chef bekommen und der hatte mich komplett in den Vertriebsbereich gedrückt – wo ich ja nie hinwollte. Dann lief die Verständigung mit meinen Teamkollegen sehr frustrierend: so gut wie ich Vietnamesisch spreche, konnten manche Leute Englisch sprechen. Verständnis somit nahezu null! Das ist dann fuer beide Seiten auf Dauer einfach frustrierend. In meetings haben zwar alle immer fleissig genickt, wenn ich was gesagt habe, aber an den Reaktionen bzw. dem Fehlen ebendieser, musste ich feststellen, das die täglichen, sprachlichen Barrieren doch nicht zu unterschätzen sind.

Zu diesem Zeitpunkt war ich dann aber schon im Gespräch mit meinem jetzigen Arbeitgeber: der International SOS (http://www.internationalsos.com/). Das Unternehmen ist der weltweite Marktführer, wenn es um medizinische Unterstützung und Betreuung auf internationalem Standard, Sicherheitsdienstleistungen und (ausgelagerter) Kundenbetreuung im Gesundheitsbereich geht. In Vietnam hat die International SOS 3 Kliniken und ich bin hier in Hanoi fürs Marketing zuständig (also keine Sorge, dass ich mich jetzt überstürzt einer medizinischen Karriere zugewandt hätte).

Meine Marketingrolle beinhaltet das Repräsentieren der Klinik, PR-Arbeit, Kampagnenmanagement und Kundenbetreuung. Nach fast 4 Wochen im neuen Job lerne ich natürlich noch immer jeden Tag dazu und es ist massig! viel Arbeit, international, chaotisch, abwechslungsreich – und mir gefällts.
Ich bin wirklich froh, das sich das mit der neuen Stelle so übergangslos mit dem vorherigen Job vereinbaren lies und ich weiterhin die Möglichkeit hab, hier in Hanoi und Vietnam zu bleiben. Denn auch wenn ich nun schon bald 2 Jahre hier bin (au wei, wie schnell die Zeit vergeht) wäre ich momentan noch nicht bereit, das Land und mein Leben hier zu verlassen.

Da fällt mir grad noch eine (nicht mehr ganz so aktuelle) Neuigkeit ein: nachdem ich ja in meinen letzten Einträgen immer mal wieder meine Haussuche erwähnt hab, kann ich verkündigen, das ich nun schon seit mittlerweile gut 3 Monaten in einem Haus in der Nähe vom Westlake wohne. Ich bin mit einer deutschen Freundin zusammengezogen und ich fühl mich super wohl hier.

Wir haben das Haus von einer vietnamesischen Familie gemietet. Die selbst hatten das Haus vorher genutzt – und wohnen jetzt auch gar nicht soweit weg… nämlich in dem kleinen „Hühnerstall“ (der zu Anfang noch als Garage für mein Moped angepriesen wurde) gegenüber.
Das muss man sich so vorstellen: Die Besitzer haben festgestellt, das mit dem Vermieten von Häusern/Wohnungen richtig gut Geld zu machen ist und für die Zeit nimmt man hier in Kauf, weniger gut und komfortabel zu leben und das erwirtschaftete Geld zu sparen. Somit wird dann gern mal das komplette Mobiliar incl. Ahnenaltar in eine kleine Hütte geschafft, und in Null-Komma-Nix hat man sich häuslich eingerichtet. Barbara und ich hatten von Anfang an dagegen protestiert, aber nichts ausrichten können. Zur Bestätigung der Endgültigkeit des Umzugs der Familie wurde dann noch das Telefonkabel aus unserem Haus rüber in die Buchte, fachmännisch über den bereits bestehenden Kabelsalat an der Strasse gehängt. Und so ist jetzt der Stand der Dinge.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es denen in der Hütte ergangen ist bei dem unglaublichen Winter, den wir jetzt grad hinter uns haben. Vielleicht habt ihr die Nachrichten aus China mitbekommen, wo Menschen tagelang in Bahnhöfen festsassen, weil aufgrund der Schneefälle und Kälte die Züge nicht fahren konnten. Hier in Nordvietnam haben wir davon noch gut die Ausläufer zu spüren bekommen.

Es war wirklich unglaublich. Ich hab rund um die Uhr gefroren: zu Haus (es gibt hier kaum Zentralheizung, maximal ne Klimaanlage, die wärmt – aber das hat kaum jemand), im Bett (so viele Decken kann man kaum aufbringen; wir haben uns nachher schon mit Freunden unterhalten, ob es Sinn es macht das Bettlaken vor dem zu-Bett-gehen warm zu fönen oder nicht) und im Büro (das war ein deprimierender Anblick, wenn morgens mein erster Blick ins Büro meine Kollegen eingehüllt in ihre dicken Jacken, Handschuhe und Schaals zeigte).
Man kann sich das in Deutschland wirklich kaum vorstellen. Da kommt man aus der Kälte rein und dreht die Heizung auf und schon wird’s einem warm. Und hier bleibt’s halt dauerhaft kalt. Das war dann für die gut 6 Wochen unser tägliches Dauerthema zwischen den Expats untereinander. Aber auch die Vietnamesen meinten, dass es schon seit gut 10 Jahren nicht mehr solch kalten Winter gegeben hätte.

Aber für dieses Jahr scheint der Winter vorbei zu sein denn seit gut 3 Tagen (auch wieder so knall auf fall) haben wir sommerliche Temperaturen um die 30° - und es ist unglaublich schwül durch die hohe Luftfeuchtigkeit z.B. schimmeln hier die Klamotten momentan ganz leicht. Oder gestern bei Freunden war der geflieste Küchenboden komplett nass, nur durch die Luft!
Und aufgrund der warmen Temperaturen, steigt natürlich auch der Energieverbrauch (u.a. für die Klimaanlagen) drastisch an. Da Vietnam hauptsächlich Energie aus Wasserkraft gewinnt, sieht’s besonders in den Übergangsmonaten zum Sommer (April-Juni) ein bisschen eng mit der Elektrizität aus. Und um dann Strom zu sparen geht man hier ganz pragmatisch vor: strassen- oder ortsteilmässig wird dann der Strom abgeschaltet. Es soll dafür sogar einen richtigen „Stromplan“ geben, den man wohl beim zuständigen „Abschnittsbevollmächtigen“ bekommen kann.

Wie auch immer: gestern war die Dang Thai Mai (meine Strasse) dran. Das war ein Spass. Wir hatten ganze 17 Stunden keinen Strom! Morgens (im Hellen) war das noch kein grosses Problem. Aber als ich um 8 pm von der Arbeit daheim war, leuchtete zwar noch die Strassenlaterne, aber die wird auch gegen 10 pm regelmässig jeden Abend abgeschaltet…
Und da ich ja nun wegen ner Stromsperre noch nicht um 8 ins Bett gehen kann/mag, bin ich dann noch mal los und hab mich mit Freunden getroffen. Als ich allerdings gegen 11 – im Stockdunkeln! wieder bei unserem Haus ankam, wurde es erst richtig interessant, denn aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit haben auch meine Streichhölzer den Geist aufgegeben, und ich hab fast ne ganze Packung aufgebraucht, bis ich die Kerze zum brennen gebracht hatte.

Die Dunkelheit hat dann aber zumindest die Mosquitos nicht daran gehindert, MICH zu finden, und die Biester haben mich die ganze Nacht zerbissen. Also hab ich mir heute gleich ein (schick mit Gardinenrüschen und Borte besetztes) Mosquitonetz besorgt. Und weil ich die notwendigen Hilfsmittel nicht finden konnte oder einfach auch nicht im Haus hab, hab ich das Teil vorhin gleich mal „fachmännisch“ a la Trixi über mein Bett geworfen und hübsch drapiert (siehe beistehendes Bild). Nicht schön, aber selten! Hoffentlich verhedder ich mich da heut Nacht nicht drinnen…
Schlaft gut!

Wednesday, December 26, 2007

26. Dezember 07
Frohe Weihnachten aus Hanoi in die Heimat!
Zur Einstimmung beistehend ein Foto eines Strassenfriseurs, wie es hier in der Stadt viele gibt (ich hatte nur bisher noch nie ein Foto davon gemacht). Der Meister seines Faches stellt einen Stuhl hin, ein Spiegel wird an die Mauer gehängt und dann kann die Kundschaft Platz nehmen.

In Vietnam verlief mein Weihnachten 2007 gleichermassen unspektakulär wie auch schon im letzten Jahr. Das ist hier einfach keine grosse Sache und man kommt, trotz aufgepeppter Weihnachtsmusik und blinkenden Weihnachtsbäumen überall, gar nicht in Feiertagsstimmung. Wahrscheinlich liegt’s auch daran, das, bis vor kurzem, die Temperaturen eher an herbstliche Tage erinnerten als an die Winterjahreszeit.
Am Heiligabend war ich – nach einem normalen Arbeitstag – erst beim Gottesdienst der hiesigen internationalen Gemeinde. Stattgefunden hat das Ganze im Hilton Hotel (weil es als nicht offiziell anerkannter „Verein“ nicht möglich ist, einen regulären Raum für Veranstaltungen dieser Art zu mieten) und der Saal ist fast aus allen Nähten geplatzt…
Anschliessend war ich bei einem Weihnachtsdinner in internationaler Runde eingeladen. Es gab zum Beispiel Kartoffelpüree und Truthahn. Fast ein bisschen wie daheim. Das Treffen war mit einer netten Gruppe und wir sassen ganz gemütlich zusammen und als (natürlich) wieder eine der letzten Gäste war ich auch erst kurz vor 3 am daheim. Somit hatte ich gestern am 1. Feiertag einen doch etwas laaangsamen Start in meinen Arbeitstag.

In Hanoi hat sich in den letzten Wochen nicht viel getan ausser, das:
1) Seit ca. einem Monat der Winter hier ausgebrochen ist – zumindest nach dem Kalender, denn auch bei gleichbleibenden, angenehmen Temperaturen um die 20° C haben die Menschen hier seit Mitte November plötzlich von heut auf morgen angefangen, dicke Jacken und Pudelmützen zu tragen und sich einzumummeln als ob die nächste Eiszeit bevor steht. Okay, in den letzten 3 Tagen ist es wirklich unangenehm kühl, diesig und regnerisch geworden. Aber in den letzten Wochen bin ich mit dem Fahrrad immer noch schön in T-Shirt und Rock morgens zur Arbeit gefahren und neben mir fuhren die Vietnamesen bis zum Anschlag eingepackt in Steppjacken und Schaal (aber in Flip Flops!) neben mir her. Da wurde ich dann schon öfter mal etwas länger von der Seite aus angeschaut.

2) Vietnam ist jetzt eine Mopedhelm-Nation. Ich weiss: kein Thema bei uns in Deutschland, wo das Tragen von Sturzhelmen beim Moped-/Motorradfahren ja schon lange Pflicht & Standard ist. Wer aber schon mal in Vietnam war und das Strassenverkehrschaos kennt, weiss, dass es hier mit dem Helmtragen beim Mopedfahren nicht so weit her ist. Hier wird alles auf den Zweirädern transportiert; angefangen bei der kompletten Familie über geschlachtetes oder auch noch lebendes Viehzeug bis hin zu Möbeln und anderen, grossen Gegenständen. Nur ein Helm für den Fahrer und die Passagiere hatte bislang wohl keinen gehobenen Wert, denn bis auf einige wenige sind in der Vergangenheit nur die „tay“ (Westler) behelmt durch die Städte gefahren (ausserhalb der Städte gilt schon seit längerem Helmpflicht).
Jedenfalls war der 15.12. der Stichtag für die Einführung der Helmpflicht innerhalb der Städte und schon morgens um kurz nach 7 am an dem Samstag bekam ich die geschockte SMS einer Freundin, die mich informierte, das wirklich alle, alle Leute mit Helmen auf den Mopeds unterwegs sind. Und so war’s dann auch! Der Hanoier Strassenverkehr ist jetzt, von oben betrachtet, ein Meer von bunt scheinenden Helmen. Die Leute hier tragen die Helme allerdings nicht aus plötzlich erwachtem Sicherheitsbewusstsein sondern wirklich, weil es jetzt Gesetz ist und unter Geldstrafe steht, wenn man ohne Helm erwischt wird. Und es kann richtig teuer werden. Man muss 150.000 VND (ca. 10$) berappen wenn man keinen Helm auf dem Moped trägt und immerhin 50.000 VND wenn man zwar einen Helm trägt, dieser aber nicht befestigt und somit nur lose auf dem Kopf sitzt. Wer die doch sehr teure Gebühr nicht bezahlen kann, muss erstmal das Moped komplett abgeben. Und momentan wird echt unglaublich viel kontrolliert. Allerdings gibt’s dann doch auch einige Leute, die sich anscheinend schon so ans Helmtragen gewöhnt haben, das sie die Dinger gar nicht mehr absetzen und auch schon mal in den offenen Café draussen, beim Gang in Geschäfte oder auf gern mal im Auto aufbehalten. Aber diese Bilder sind dann doch wirklich nur Ausnahmeerscheinungen. Hoffen wir mal, das Helmtragen geht bald in die gleiche Gewohnheit über wie das konstante Dauerhupen aller Beteiligten im Strassenverkehr – also wie ein natürlicher Reflex.

Ich mache ich morgen Abend auf den Weg nach Malaysia wo ich den Jahreswechsel verbringen werde. Ich treffe Freunde und wir wollen ein paar Tage zum Wandern fahren, sind aber direkt an Silvester in KL und lassen es dann dort krachen…
Daher möchte ich schon heute die besten Grüsse und Wünsche zum Neuen Jahr nach Hause schicken und hoffe, das ihr alle gut ins Jahr 2008 rutscht! Hen gap lai aus Hanoi!

Saturday, December 01, 2007

01. Dezember 07
Kleines Wochenupdate aus Hanoi. Am letzten Wochenende gab es einen Taifun, der Kurs auf Vietnam genommen hatte, aber wie auch schon in der Vergangenheit, mehr den zentralen und südlichen Teil des Landes betraf. Das war dann in den letzten Tagen auch mehr das Thema, als zum Beispiel die Cholera. Letztens hat dann eine Freundin von mir nochmals bei der Hanoier Vertretung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) angerufen und wollte sich nach Neuigkeiten zu dem Thema erkundigen (ob noch aktuell oder was neue Krankheitsfälle in Hanoi angeht). Und auf die Frage nach Cholera wurde ihr von der lokalen Mitarbeiterin am Telefon ausgerichtet, das weder ein Herr noch eine Frau Cholera im WHO-Büro hier in Hanoi arbeiten würde. Hmm, das war ja auch gar nicht die Frage gewesen, aber auch nach mehrmaligem Nachfragen konnte meiner Bekannten nicht geholfen werden, weil die gute Frau am anderen Ende der Leitung einfach nix mit „Cholera“ anfangen konnte… Soviel mal zu den täglichen Kleinkämpfen und Missverständnissen was hier die Sprachbarrieren angehen.

Ich bin noch immer auf Haussuche, was sich langsam zu einem Alptraum entwickelt und ich zu der Erkenntnis gekommen bin, das ich ganz schlecht im Verhandeln bin und somit leichte Beute für die wirklich cleveren vietnamesischen Verhandlungskünstler bin. Aber ich hoffe noch immer, das wir bald was finden. So langsam möchte ich auch wieder was Eigenes haben und nicht dauernd meinen Mitbewohnern auf den Keks gehen und meine Sachen ständig von einer Wohnung in die nächste tragen.

Ich hab vor wenigen Tagen dann auch zum mittlerweile 4. Mal mein Visum für meinen Aufenthalt hier in VN verlängern lassen. Und nach gut 1.5 Jahren hier stellt sich die Polizei da nun auch langsam quer, mein Visum OHNE Arbeitserlaubnis zu verlängern. Ist ja auch verständlich, denn in anderen Ländern wie Malaysia oder China kann man nicht mal zum Praktikum einreisen ohne Arbeitsvisum. Da ist Vietnam schon sehr kulant, aber nun hab ich wohl auch hier die Grenzen des Möglichen erreicht und erstmal nur ein neues 3-Monatsvisum erhalten und danach ist dann hoffentlich meine Arbeitserlaubnis auch bewilligt.

Der Prozess, die Arbeitserlaubnis zu beantragen und dann auch zu bekommen, ist in Vietnam allerdings schon wieder ein weiterer Meilenstein. Erstmal müssen Unterlagen aus Deutschland (wie Zeugnisse, Diplom, polizeiliches Führungszeugnis) bestätigt werden und zwar von der deutschen Botschaft in Hanoi, die für diese Dienstleistung (bei 2 Dokumenten für mich) mal schlapp 150 $ incl. 8 $ Faxgebühren!!! nach Deutschland kassiert hat. Drum herum gekommen wäre ich aber eh nicht, denn eine Beglaubigung aus Deutschland wäre hier von den Behörden wiederum nicht anerkannt worden.
Da ich ja nun auch schon seit mehr als 6 Monaten hier lebe, muss ich auch noch ein polizeiliches Frühungszeugnis der hiesigen Behörden ausstellen lasse. Ich wusste nicht mal, dass es hier so was gibt.

Der grösste Spass aber kommt beim Gesundheitscheck. Den kann man hier standardmässig in allen Kliniken von Hanoi machen lassen und ich war dafür letzte Woche in der SOS-Klinik. Es wurden Sachen gemacht, wie Blutdruck messen, Brustkorb röntgen (Untersuchung auf TB), Urinprobe abgeben, diverse Bluttests incl. HIV. Dann musste ich in einem lustigen Buch Zahlen lesen, die son bisschen krisselig zu sehen waren. Ich glaube, es sollten die kognitiven Eigenschaften überprüft werden, und die wollten schauen, ob ich im Kopf klar bin. Der Hörtest war auch ganz unterhaltsam: die Ärztin rieb Mittelfinger und Daumen jeweils neben meinem rechten und linken Ohr aneinander und fragte, ob ich das hören würde. Als ich mit „ja“ antwortete, hatte ich den Hörtest erfolgreich bestanden und mir wurde „normales Hören“ attestiert. Beim Sehtest wurde ich zuerst aufgefordert, meine –allzeit gut wahrzunehmende- Brille abzunehmen und dann auf die ca. 4 m entfernte Sehtesttafel zu schauen. Ich sagte gleich, das meine Augen wirklich nicht gut sind und das das Ganze ohne Brille nix bringt, aber nein: Bitte einmal ohne Brille, Ms. Seeber! Gut, alles klar. Nachdem ich schon bei den Grossbuchstaben ganz oben auf dem Schildchen kapitulieren musste, durfte ich auch meine Brille wieder aufsetzen und den Test so weitermachen.
Und dann hatte ich den Test auch wirklich bestanden und konnte die Papiere gestern abholen und bei meiner Firma abgeben, die sich insgesamt um die Beantragung der Arbeitserlaubnis für mich kümmert. Nebenbei bemerkt ist es, durch die Übergabe meiner gesamten Unterlagen und ärztlichen Daten nicht wirklich doll hier, was den Datenschutz angeht.

Jetzt fehlt nur noch meine polizeiliche Anmeldungsbestätigung, die ich aber dann erst bekomme, wenn ich ins neue Haus eingezogen und bei der Polizei angemeldet bin. Das läuft über die Vermieter – aber natürlich, solange ich noch kein Haus hab, fehlt mir auch dieser Wisch. Grundsätzlich muss man immer gemeldet sein, wenn man sich innerhalb Vietnams aufhält. Ganz egal wo man ist. Wenn ich z.B. übers Wochenende wegfahre und im Hotel einchecke, muss ich meinen Pass dabeihaben, damit ich dort bei der Polizei für die Dauer meines Aufenthaltes registriert werden kann. Und so läuft’s natürlich auch bei den normalen Wohnungen oder Häusern die man hier mietet. Allein schon aus diesem Grund und dem zeitlichen Druck daraus, hoffe ich auf eine baldige Lösung in meinem Unterkunftsproblem. Denn alle Dokumente, die man für die Arbeitserlaubnis haben nur eine bestimmte Gültigkeit und wenn die GESAMTEN Unterlagen nicht in einem bestimmten Zeitraum vorliegen, wird alles hinfällig und man fängt wieder von vorn an. Und das muss ja nun nicht sein…

Wednesday, November 14, 2007

14. November 2007
Wenn man in einem Entwicklungsland lebt, kann’s auch solche Neuigkeiten geben: In Vietnam ist die Cholera ausgebrochen.
Die Nachricht kam letzte Woche rum, inzwischen auch schon von offizieller Seite bestätigt, und nun wird gehandelt bzw. es werden Vorsichtsmassnahmen getroffen um einer weitläufigen Verbreitung der Krankheit entgegen zu wirken. Zuerst hab ich ja gar nicht geglaubt, das an der Sache wirklich was dran ist, sondern es als Effekthascherei abgetan. Was mein Allgemeinwissen zum Thema „Cholera“ angeht, musste ich feststellen, dass ich darin nicht so bewandert bin. Aha, es gibt also keinen Impfstoff dagegen. Aber man kann sich im Krankheitsfall medizinisch behandeln lassen: ran an den Tropf und das soll helfen.

Laut Nachrichteninformationen und aus staatlichen Bestätigungen wurden die meisten Fälle (angeblich schon über 1000) aus den Regionen im Nordvietnam gemeldet, in denen einfach die hygienischen Verhältnisse viel schlechter als hier in der Stadt sind. Allerdings hat „unser aller“ deutscher Arzt aus der International SOS-Klinik Frank mir gestern Abend dann doch versichert, das auch die ersten registrierten Fälle an Ausländern festgestellt wurden und man momentan schon ein bisschen vorsichtiger sein sollte.
Das heisst im Klartext:
1. Nur abgefülltes Wasser trinken (Nix neues! Auf die Idee hier Leitungswasser zu trinken, kommt eh niemand.)!
2. Nicht in irgendwelchen Seen, Flüssen, Tümpeln oder Teichen baden (auch nicht gerade eine neue Erkenntnis)!
3. Keine „mam tom“ Sosse essen! Das ist fermentierte Schrimp-Sosse (zum Dippen für Tofu- oder Hundefleischgerichte). Aber ich kenne auch nicht einen Ausländer, der das Zeug überhaupt mag (die Sosse, meine ich. Tofu und Hund essen ja doch einige). Schon bei dem Geruch der mam tom kann einem (mir!) übel werden und ich schubse das Schälchen mit der gräulichen Substanz immer so weit wie möglich aus meiner Reichweite.
4. Was die sonstigen Einschränkungen beim Essen angeht, wird’s dann schon etwas drastischer: Kein Salat, kein Fisch/Seafood und nicht in den Garküchen essen. Hmm, das schränkt mein Mittags- und Abendessen allerdings schon ziemlich ein. Genau das ist es, wovon ich mich hier eigentlich tagtäglich ernähre. Gestern Mittag hab ich’s mal mit nem Sandwich versucht und heut gab’s Pho-Suppe. Aber so doll ist das nicht auf die Dauer. Vor allem hab ich momentan einen Mega-Appetit auf die Frühlingsrollen mit gebratenem Fisch im „Highway4“ Restaurant. Na gut, das muss dann jetzt ein bisschen warten.

Und nebenstehend noch ein kleiner Eindruck, wie schön es momentan bei uns in Hanoi ist. Wir haben bestes Wetter: Mitte 20°C, blauer Himmel und Sonnenschein. Und das ist mein Blick, wenn ich auf meinem Balkon stehe und auf den Truc Bach See und dann weiter Richtung Westsee schaue (ja richtig, im Haus gegenüber klafft ein Loch im Dach! Das existiert aber mindestens schon so lange, wie ich jetzt hier wohne).
Ach ja, meine Haussuche ist noch immer am Laufen, aber es sieht momentan ganz gut aus und ich hoffe, das ich in den nächsten Tagen zu der Entscheidung komme, wo ich ab 01.12.07 mein neues Lager aufschlagen kann.